Wie können Unternehmen & Hochschulen zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen beitragen? Darum ging es am 12. April 2018 an der FHWien der WKW. Das Competence Center for Corporate Governance & Business Ethics (CGBE) hatte zu einem Vortrag von Prof. Dr. Katrin Muff (Business School Lausanne) mit Podiumsdiskussion geladen.

Eine wichtige Aufgabe des CGBE, das zum Research Cluster SMEs & Family Businesses der FHWien der WKW gehört, ist die Förderung des interdisziplinären Dialogs in Hinblick auf wirtschafts- und unternehmensethische Aspekte. Ein besonderes Anliegen dabei ist, Prinzipien eines verantwortungsvollen und nachhaltigen Managements im Bewusstsein und Handeln der Studierenden zu verankern. Die FHWien der WKW ist daher auch Mitglied des internationalen Netzwerks PRME (Principles for Responsible Management Education) und Pionier bei der Integration der Sustainable Development Goals (SDGs) in die Lehre.

Katrin Muff, Vordenkerin im Bereich verantwortungsvolle und transformative Unternehmensführung, erläuterte die Bedeutung der SDGs. Diese 17 Ziele der Vereinten Nationen dienen der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene. Katrin Muff veranschaulichte anhand des Gapframe-Modells die größten Prioritätsbereiche für Österreich und demonstrierte Strategiewerkzeuge zur Entwicklung von Maßnahmen.

Für Unternehmen bieten die SDGs Chancen, so Katrin Muff. Um diese nutzen zu können, ist aber ein neues Bewusstsein notwendig. Die Außenperspektive muss in das Unternehmen integriert werden, d. h. ein Unternehmen muss seine Umgebung betrachten und sich fragen, welche Ressourcen und Kompetenzen es bereitstellen kann, um gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen zu bewältigen. Ebenso sollen die Partizipations-Möglichkeiten und Auswirkungen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene berücksichtigt werden. Auch eine Neudefinition dessen, was Unternehmenserfolg bedeutet und wie dieser gemessen wird, ist nötig. Die Ausbildung dieser neuen UnternehmerInnen-Generation ist Aufgabe der Hochschulen. Die Integration der SDGs in die Lehre sollte auch als Kriterium in den Hochschulrankings berücksichtigt werden.

Bei der von Prof. Claus Reitan moderierten, lebhaften Podiumsdiskussion im Anschluss legten VertreterInnen aus Politik, Wirtschaft und Bildung ihre Sichtweisen dar. Es diskutierten:

Marlis Baurecht betonte, dass die SDGs gelebte Wirklichkeit in der unternehmerischen Praxis sein müssten, nicht nur ein weiterer Punkt im CSR-Bericht. Allerdings sei die Messbarkeit schwierig.

Julia Ganglbauer sprach die positive Bedeutung des Commitments aus dem Top-Management an und erläuterte, wie bei Biogena die Außenperspektive mittels eines Netzwerks aus KundInnen, ÄrztInnen und ForscherInnen Berücksichtigung findet.

Für Günter Liebel müssen sich Unternehmen fragen lassen, ob und inwiefern sie einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Allerdings seien die SDGs über Gesetze schwer regelbar, die Bürokratie sei hier ein Hemmschuh, so der Vertreter des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus.

Markus Urban-Hübler stellte die Bedeutung eines konstruktiven Stakeholder-Dialogs heraus. Auch fragen AnalystInnen ihm zufolge bei der Unternehmensbewertung Aspekte zur Nachhaltigkeit eines Unternehmens verstärkt nach.

Markus Scholz von der FHWien der WKW wies darauf hin, dass es eines Zusammenspiels zwischen Unternehmen und Politik bedürfe und eine stärkere Orientierung an Werten abseits des Shareholder-Values notwendig sei, um den erforderlichen Bewusstseinswandel herbeizuführen.

Für Katrin Muff ist Interdisziplinarität eine der Schlüsselkompetenzen. Auch sei es wichtig, den Unternehmen Anknüpfungspunkte aufzuzeigen, wo sie prioritär anknüpfen und ihre Stärken einsetzen können. Gleichzeitig sei aber jede(r) selbst verantwortlich und alle seien aufgefordert, ihren individuellen Beitrag zu leisten.

Während der Diskussion gab es zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum, die zu einem regen Meinungsaustausch führten. Dabei zeichneten sich zwei konträre Positionen ab: Auf der einen Seite wurde betont, dass Österreich im Bereich Nachhaltigkeit im internationalen Vergleich bereits ein relativ hohes Niveau erreicht habe. Dem wurde entgegengehalten, dass ein Ausruhen auf dem Status Quo nicht ausreiche, um globale Nachhaltigkeit zu realisieren. Beim anschließenden Netzwerken wurde der Meinungsaustausch bei einem Imbiss mit einem Glas Wein weitergeführt.

Bereits am Tag darauf, dem 13. April 2018, fand das Thema „Integration der SDGs in die Lehre an der FHWien der WKW” eine konkrete Weiterführung. Im Rahmen des Faculty Development Seminars erörterten 17 TeilnehmerInnen aus unterschiedlichen Studiengängen der FHWien der WKW unter fachkundiger Anleitung von Mag. Ruth Nieffer (Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur) sowie Mag. Karin Huber-Heim (csr & communication) und Dr. Daniela Ortiz von der FHWien der WKW, wie die Ziele für nachhaltige Entwicklung in Zukunft noch klarer in die verschiedenen Ausbildungsprogramme integriert werden können.

 

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