Bank für Kirche und Caritas geht mit dem Investorennetzwerk Shareholders for Change gegen den Mangel an Steuertransparenz im europäischen Telekommunikationssektor vor

 SfC veröffentlicht die Studie „Bad Connection“ über fehlende Steuertransparenz im europäischen Telekommunikationssektor

Das europäische Investorennetzwerk SfC – Shareholders for Change, das seit 2017 aktiv seinen Einfluss bei Unternehmen zu mehr Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten ausübt, hat auf seiner Halbjahrestagung am 5. Dezember 2018 in Paris die Studie „Bad Connection“ über die mangelnde Steuertransparenz im europäischen Telekommunikationssektor veröffentlicht. Der Bericht enthüllt nicht nur die fehlende Steuertransparenz fast aller untersuchten europäischen Telekommunikationsriesen, sondern lässt auch Fragen aufkommen, inwieweit damit aggressive Steuervermeidungspraktiken begünstigt werden können.

„Mit Ausnahme von Vodafone veröffentlicht keiner der großen Telekommunikationskonzerne in Europa wie Telecom Italia, Deutsche Telekom und Orange länderbezogene Steuerdaten. Dieses von der OECD empfohlene sogenannte Country-by-Country Reporting soll eine Gewinnverlagerung und damit aggressive Steuervermeidungspraktiken multinationaler Unternehmen offenlegen“, erklärt Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch der Bank für Kirche und Caritas, die Gründungsmitglied der Shareholders for Change ist. „Obwohl Vodafone bei den untersuchten Telekommunikationsunternehmen in Punkto Steuertransparenz als Vorbild zu nennen ist, wirft die Studie bei dem Telekommunikationsgiganten trotzdem Fragen auf, weil der größte Teil der Unternehmensgewinne (38%) in den zwei Conduit-Ländern (Schattenfinanzplätzen) Luxemburg und Malta erwirtschaftet werden, obwohl dort nur 325 Mitarbeiter der insgesamt über 108.000 weltweit tätigen Mitarbeiter von Vodafone beschäftigt sind. Dieses schon öfters bei multinationalen Konzernen aufgedeckte Missverhältnis zwischen Gewinnerwirtschaftung und den tatsächlichen wirtschaftlichen Aktivitäten in solchen Conduit-Ländern, kann ein Hinweis auf aggressive Steuervermeidungspraktiken sein.“

Für die anderen in der Studie betrachteten Telekommunikationsunternehmen war eine ähnlich detaillierte Analyse aufgrund der fehlenden Berichterstattung nicht möglich. Es wurden aber für alle analysierten Unternehmen gruppeninterne Transaktionen aufgedeckt, die über Schattenfinanzplätze wie Luxemburg oder die Niederlande abgewickelt wurden und dabei zu Gewinnverlagerungen und aggressiver Steuervermeidung geführt haben könnten.

„Steuertransparenz ist eines der Kernthemen für das Investorennetzwerk Shareholders for Change bei der Durchführung unserer Dialoge und sonstigen Engagement-Aktivitäten mit Unternehmen“, fährt Tommy Piemonte fort. „Denn mangelnde Steuertransparenz und aggressive Steuervermeidungspraktiken setzen die Unternehmen nicht nur dem Risiko von Rechtsstreitigkeiten mit Steuerbehörden aus, sondern haben auch eine gravierende ethische Komponente, weil sie die Steuereinnahmen von Entwicklungs- und Industrieländer häufig drastisch reduzieren.“

Um auch anderen Investoren außerhalb des SfC-Netzwerks einen Dialog mit den untersuchten Telekommunikationsunternehmen zu ermöglichen, gibt die Studie eine Handreichung mit welchen Fragen Investoren an die Konzerne herantreten können, um mehr Steuertransparenz einzufordern und aggressive Steuervermeidungspraktiken frühzeitig entdecken zu können.

Während der SfC-Halbjahrestagung in Paris wurden zwei neue Mitglieder in das Shareholders for Change Netzwerk aufgenommen: die in Genf ansässige Ethos Stiftung mit 230 schweizer Pensionskassen als Mitglieder sowie die von London aus tätige Friends Provident Foundation. Beide Neumitglieder haben eine weit zurückreichende Historie mit erfolgreich durchgeführten Engagement-Aktivitäten.

 

Die Studie „Bad Connection“ kann kostenfrei auf der Shareholders for Change Website heruntergeladen werden:

www.shareholdersforchange.eu/wp-content/uploads/2018/12/BadConnection.pdf

 

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