Nachhaltig wirtschaften, faire Löhne zahlen und den Mitarbeiter:innen Zuversicht spenden – das ist eine besondere Herausforderung in Zeiten der Corona-Pandemie. Unsere Stiftung stellt in einer qualitativen Studie zehn Unternehmen vor, die zeigen, wie all das auch in schwierigen Zeiten gelingen kann.

Ein Hersteller von Insektengift, der Fliegen rettet. Ein Software-Gigant, dem ein menschenzentriertes Leitbild genauso wichtig ist wie die Digitalisierung. Ein Hochschulprofessor, der als Öko-Unternehmer zum größten Importeur von Darjeeling-Tee weltweit wird. Zehn Fallbeispiele für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln haben wir zusammengetragen.

“Unternehmerisches Engagement gehört zu den Grundelementen unserer Sozialen Marktwirtschaft”, sagt Birgit Riess, Expertin für Nachhaltigkeit und soziales Engagement von Unternehmen (Corporate Social Responsibility). “Unternehmen agieren nicht losgelöst von der Gesellschaft – erfolgreiches Wirtschaften findet nicht im luftleeren Raum statt.” Dieses unternehmerische Engagement für die Gesellschaft war schon vor der Pandemie wichtig, in den Zeiten von Corona ist es existenziell – und das keineswegs nur in Deutschland. “Verantwortungsvolle Unternehmensführung hat nichts mit der Größe oder der Branche eines Unternehmens zu tun”, ergänzt Jakob Kunzlmann, Wirtschaftsexperte unserer Stiftung. “Worauf es ankommt, sind die Menschen in den entscheidenden Positionen.”

 

Auswahl nach vier CSR-Kriterien

Die Auswahl der Unternehmen orientiert sich an den vier CSR-Themen Gemeinwesen, Arbeitsplatz, Ökologie und Ökonomie. Zu allen vier Dimensionen sind Fallstudien entstanden – und mit ihnen eine Liste höchst unterschiedlicher Unternehmen.

Günter Faltin ist dabei, er ist emeritierter Hochschulprofessor für Entrepreneurship. Er wechselte aus dem Hörsaal in die Praxis, gründete die Teekampagne. Faltin lehrte die Konkurrenz das Fürchten, weil er den Zwischenhandel ausschaltet, den Mitarbeiter:innen in Indien faire Löhne bezahlt – und sich von Corona schon gar nicht unterkriegen lässt.

Hans-Dietrich Reckhaus tötet mit seinen Produkten Insekten – und rettet sie. Insect Respect schafft Ausgleichsflächen, damit so viele Insekten neuen Lebensraum bekommen, wie durch sein Produkt ums Leben kommen. Derzeit macht Reckhaus sich Sorgen, dass durch die Pandemie die Klimakrise und der Verlust der Biodiversität in den Hintergrund treten könnten.

Das Textilunternehmen Dibella, das Hotels und Gastronomie ausstattet, hat eine eigene Lieferkette aufgebaut, die bis in die indischen Dörfer reicht. Es geht um nachhaltige Beschaffung und um faire Löhne. Trotz Corona hat das Unternehmen zu den indischen Mitarbeiter:innen gestanden und die zugesagten Mengen abgenommen.

 

Stadtwerke verstehen sich als “Lebensqualität-Lieferanten”

Die Stadtwerke Weißwasser mitten im ostdeutschen Braunkohlerevier verstehen sich als “Lebensqualität-Lieferanten”. Das Motto: “Geht’s der Region gut, geht’s den Menschen gut, geht’s uns gut.” Das Unternehmen engagiert sich in vielen Bereichen der Stadt und unterstützt mehr als 120 in der Corona-Pandemie notleidende Vereine.

Seit 135 Jahren stellt Boehringer Ingelheim Medikamente her. Aber im Projekt “Making more Health” geht es darum, auch ohne Medikamente zu helfen. Die Initiative arbeitet in vielen Regionen der Welt und kooperiert mit mehr als 100 Sozialunternehmer:innen. Davon profitieren beide Seiten – weil es um soziales Engagement und um Innovation geht.

SAP, der größte Software-Hersteller in Europa, baut auf Führung im heutigen Zeitgeist – auf die Modeworte der Digitalisierung verzichtet Personalleiter Cawa Younosi bewusst. Empathie ist ihm nach eigenen Worten wichtiger. Sie ist der Schlüssel zum Gelingen, erst recht in Corona-Zeiten.

Auch bei Kögel Bau werden Fundamente aus Beton gegossen. Und doch ruht das Bad Oeynhausener Unternehmen auf Werten. Jeder Mitarbeiter bekommt am ersten Arbeitstag das Wertebuch des Unternehmens. Darin ist notiert, wofür der Einzelne im Unternehmen steht und wofür er Verantwortung übernimmt.

 

Mehr als Corporate Social Responsability

Corporate Social Responsability ist für die Deutsche Telekom selbstverständlich. Doch heute geht es dem Unternehmen um mehr – um digitale Verantwortung, um den ethisch verantwortlichen Umgang mit künstlicher Intelligenz und um Klimaschutz beim Konzern und Kunden, wenn der Stromverbrauch von Servern und Endgeräten reduziert wird.

Die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS-Bank) war die erste sozial-ökologische Bank, die ihren Kund:innen alles Nötige rund um ihr Geld anbot – und es nach streng nachhaltigen Kriterien einsetzt. In der Corona-Krise tritt das Unternehmen an, die kleinen Unternehmer zu sichern: Den Händler um die Ecke und den Musiker ohne Bühne.

Ein Start-up fast ohne Digitalisierung – das ist schon eine Seltenheit. Aber bei share geht es tatsächlich um Wasser, um Nahrungsmittel und um Seife. Die Grundlage des Geschäfts ist der Mehrwert des Teilens. Wer bei share eine Flasche Mineralwasser kauft, der verhilft anderen zu sauberem Wasser, indem er mit dem Kaufpreis den Bau von Brunnen unterstützt.

 

Download

Die Studie können Sie unter der folgenden Adresse kostenlos downloaden:

bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/unternehmensverantwortung-und-die-corona-pandemie-all

 

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