Klimaschutz spiele angesichts der Coronakrise und den Folgen für die Wirtschaft nun erst recht keine Rolle mehr, befürchten einige Experten. Dabei drohe hier die nächste große globale Krise. Die finanziellen Mittel, die jetzt für den Aufschwung der Wirtschaft bereitgestellt werden, sollten auch einen grünen Strukturwandel einleiten. Das Hightech-Forum vertritt die Meinung, dass Innovationen maßgeblich zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele beitragen können. Welche Maßnahmen in der Forschungs- und Innovationspolitik wichtig sind, finden Sie in dem Impulspapier “Nachhaltigkeit im Innovationssystem”.

 

Hightech-Forum spricht sich für eine effektivere Verknüpfung von Innovations- und Nachhaltigkeitspolitik aus, damit Deutschland seiner globalen Verantwortung nachkommen kann

In dem gestern veröffentlichten Impulspapier “Nachhaltigkeit im Innovationssystem” formuliert das Hightech-Forum Empfehlungen, wie Innovationen mehr Nachhaltigkeit ermöglichen können und zugleich mehr Nachhaltigkeit ins Innovationssystem gebracht werden kann. Das empfohlene Maßnahmenpaket adressiert die Rolle und Verantwortung von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.

Die Expertinnen und Experten empfehlen der Politik unter anderem, die zwölf Missionen der Hightech-Strategie konsequenter umzusetzen und regierungsweit besser zu koordinieren. Das öffentliche Beschaffungswesen soll für die Entwicklung nachhaltiger Produkte und Services besser positioniert werden. Zudem rät das Gremium, die Internalisierung externer Kosten zu “wahren Preisen” voranzutreiben und alternative Wohlstandsindikatoren zu entwickeln. Mehr Kapital sollte zur Verfügung gestellt werden, um mehr Gründungen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen hervorzubringen. Technologische Schlüsselbereiche, in denen Innovationen für die wirtschaftliche Anwendung gefordert werden, sind die Kreislaufwirtschaft, die Bioökonomie, die Agrarwende sowie eine treibhausgasarme Industrieproduktion. In der Wissenschaft werden die Erweiterung des Exzellenzbegriffes sowie neue Nachhaltigkeitsleitbilder gefordert. Mit Reallaboren und partizipativen Formaten sollte Vertrauen in neue Technologien und deren Regulierung verdient werden.

Prof. Dr. Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und Sprecherin des Thementeams “Nachhaltigkeit im Innovationssystem” im Hightech-Forum, erklärt mit Blick auf die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030: “Wir setzen uns dafür ein, die nationale Nachhaltigkeitsstrategie und die Hightech-Strategie stärker zu verzahnen. Technische, sozioökonomische und kulturelle Innovationen bieten enorme Chancen, die globalen Nachhaltigkeits-Herausforderungen zu bewältigen. Daher sollte Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen als handlungsleitendes Ziel der Forschungs- und Innovationspolitik berücksichtigt werden. Die Aufgabe der Politik ist es, divergierende Ziele bei ökologischer Verträglichkeit, ökonomischer Wettbewerbsfähigkeit und sozialem Zusammenhalt zu moderieren. Dabei gilt es, aufgrund der Dringlichkeit von Klima-, Umwelt- und Naturschutz und ihrer steigenden Wirkung auf Gesundheit und Gemeinwohl, die schon europäisch und international abgestimmten Ziele zur Priorität zu machen.”

Die federführenden Autorinnen und Autoren des Impulspapiers “Nachhaltigkeit im Innovationssystems” sind die Hightech-Forum-Mitglieder Prof. Dr. Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), Dr. Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender und Chief Technology Officer der BASF SE, Prof. em. Dr. Wolfgang Lücke, Prof. Dr. Patrizia Nanz, Direktorin des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS), Johannes Oswald, Geschäftsführer der Oswald Elektromotoren GmbH und Julia Römer, Gründerin und CEO der Coolar UG.

Über das Hightech-Forum

Das Hightech-Forum ist das zentrale Beratungsgremium der Bundesregierung zur Umsetzung der Hightech-Strategie 2025. Seine Aufgabe ist es, die Forschungspolitik der Bundesregierung mit konkreten Umsetzungs- und Handlungsempfehlungen zu begleiten. Es veröffentlicht fortlaufend Impulspapiere zu den Schwerpunktthemen 3,5-Prozent-Ziel, Offene Wissenschaft und Innovation, Soziale Innovationen, Agilität des Innovationssystems, Innovation und Qualifikation, Nachhaltigkeit im Innovationssystem, Zukunft der Wertschöpfung sowie Biologie und Digitalisierung.

Das Hightech-Forum setzt sich aus 21 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Den Vorsitz teilen sich Christian Luft, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, und Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Das Hightech-Forum tagt drei bis vier Mal pro Jahr. Der Beratungsauftrag ist zeitlich an die aktuelle Legislaturperiode gekoppelt. Weitere Informationen: www.hightech-forum.de

Über die Hightech-Strategie

Die Hightech-Strategie 2025 bündelt die Förderung der Bundesregierung zu Forschung und Innovation. Ihr Ziel ist es, spürbare Fortschritte in der Lebensqualität aller Bürgerinnen und Bürger zu erreichen: etwa im Kampf gegen Krebs, gegen Plastikmüll in der Umwelt oder für nachhaltiges Wirtschaften in Kreisläufen. Sie soll eine Vielzahl von Akteuren ermutigen, den Fortschritt aktiv mitzugestalten.

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