An der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) hat sich ein Forschungsteam mit alternativen Finanzierungsmöglichkeiten für regionale Betriebe in der Lebensmittelproduktion beschäftigt. Im Ergebnis ist eine Informationsplattform entstanden, die nun online ist.

„Das BioFinanz-Portal gibt Interessierten einen ersten Überblick über die verschiedenen alternativen Finanzierungsmodelle“, fasst HNEE-Wissenschaftlerin Gerlinde Behrendt zusammen. Dieses richtet sich auf der einen Seite an Unternehmen der Land- und Lebensmittelwirtschaft, die sich für die verschiedenen Möglichkeiten, Kund*innen und Bürger*innen mit in die Finanzierung einzubinden, interessieren. Auf der anderen Seite informiert das Portal auch Bürger*innen über die verschiedenen Beteiligungsmöglichkeiten. „Unter alternativ verstehen wir Finanzierungsmodelle, die unter finanzieller Beteiligung von Bürger*innen realisiert werden. Beispiele dafür sind Crowdfunding, Solidarische Landwirtschaft, Genussrechte, Bürgeraktiengesellschaften & Landkaufgenossenschaften“, ergänzt sie. Dies sei für Unternehmen attraktiv, die Alternativen zu klassischen Kreditfinanzierung durch Banken suchen: Sie könnten Bürger*innen auf diese Weise in die Finanzierung ihres Unternehmens mit einbinden, um den eingeschränkten Zugang zu klassischer Finanzierung auszugleichen oder die Abhängigkeit von einer Bank zu reduzieren.

„Wir haben herausgefunden, dass Betriebsleiter*innen entlang der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln diese Alternativen nicht nur als Finanzierungs-, sondern häufig auch als Marketinginstrument nutzen“, berichtet Gerlinde Behrendt, die das BioFinanz-Projekt an der HNEE bearbeitet hat. Dies sei vor allem dann der Fall, wenn mit den bürgerschaftlichen Finanzierungsmodellen ein hoher Aufwand verbunden ist. „Dann sehen die Betriebsleiter*innen darin eine Investition ins Marketing“, ergänzt sie.

Seit September 2017 hat sich das Forschungsteam mit dem Thema befasst, hat Umfragen bei den Betrieben durchgeführt, um Merkmale, Potenziale und Herausforderungen der verschiedenen Finanzierungsmodelle herauszuarbeiten und herauszufinden, wie sich die Unternehmen und Initiativen darüber informieren. Ziel von BioFinanz war es, eine Plattform zu schaffen, die gebündelt über die Vor- und Nachteile einzelner Finanzierungsmöglichkeiten informiert und zwar so, dass es aus Sicht der Zielgruppen auch verständlich und ansprechend ist. Das ist nun gelungen. Mit Abschluss des Projekts, das zum Monatsende ausläuft, präsentiert das Forschungsteam eine Online-Informationsplattform (www.biofinanz.info), die vor allem kleinen Betrieben der ökologischen wie auch konventionellen Land- und Lebensmittelwirtschaft und Initiativen einen Überblick bieten wird.

 

Hintergrund

In den vergangenen Jahren sind sowohl das Interesse an ethischen Geldanlagemöglichkeiten als auch das persönliche Engagement von Bürger*innen für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem gestiegen. Diese Entwicklung kann Unternehmen und Betrieben nutzen, die sich für eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft einsetzen und nach Alternativen zur klassischen Kreditfinanzierung durch Banken suchen: Insbesondere Modelle, bei denen Bürger*innen eine Gegenleistung in Form von Naturalien oder Warengutscheinen erhalten, eignen sich auch als Marketinginstrument, um Kund*innen zu gewinnen und an sich zu binden.

 

Über das Projekt

Das Verbundvorhaben BioFinanz von der HNEE und dem Institut für Ländliche Strukturforschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main (IfLS) wird im Rahmen des Bundesprogramms „Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft“ (BÖLN) gefördert. An dessen Durchführung sind auch die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) und der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. beteiligt.

Mehr Infos unter: www.hnee.de/biofinanz

 

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