Die Preisverleihung des Schülerwettberwerbs 2020 der Philosphie-Arena fand am 07. Mai 2021 statt. Seit Herbst letzten Jahres beschäftigten sich die jungen PhilosophInnen mit der Frage “Was bedeutet die Corona-Krise für unser künftiges Zusammenleben?”. Einen weiteren spannenden Ausschnitt aus einem der Gewinner-Texte möchten wir Ihnen hier vorstellen: Das Kapitel “Gesellschaftliche Folgen” aus dem Text “Corona” von Attila Zambito (Klasse 10 des Evangel Mörike Gymnasium Stuttgart).

 

Gesellschaftliche Folgen

In diesem Kapitel befasse ich mich mit den gesellschaftlichen Folgen in Deutschland. Es steht fest, dass die Folgen in der Bevölkerung unterschiedlich verteilt sein werden.

  1. Gesundheit: Es gibt auch bei der Gesundheit Unterschiede in der Bevölkerung. Ältere Leute müssen vorsichtiger sein, wenn sie rausgehen und überlegen sich daher dieses Vorhaben gleich zweimal. Sie bringen öfters Vorerkrankungen mit, die ihnen bei einer Infektion zum Verhängnis werden könnten. Aber nicht nur das Alter teilt die Gesellschaft. Ebenfalls spielt die soziale Lage eines Menschen eine große Rolle: Meist erledigen Menschen unterer Einkommensschicht härtere Arbeit und ernähren sich ungesünder, da ihre finanzielle Mittel nicht genug für Gemüse und Obst ausreichen. Das führt oft zur Fettleibigkeit und anderen Vorerkrankungen, die bei einer Erkrankung am Coronavirus zu einem großen Nachteil werden kann. Auch zu nennen sind die Menschen, die in systemrelevanten Berufen, wie z.B.: Ärzte, Krankenschwester, Kassierer/-innen, …. arbeiten. Diese Menschen leiden unter einem noch höheren Stress als sonst und sie erleiden noch größere physische Leiden, was automatisch zu Vorerkrankungen und einem geschwächtem Immunsystem führt. Das, und der ständige Kontakt mit möglich erkrankten Menschen, erhöht das Risiko auf einen schweren Verlauf bei einer Erkrankung am Coronavirus. Insgesamt lässt sich sagen, dass ältere Menschen, ärmere Menschen und Menschen in systemrelevanten Berufen große gesundheitliche Risiken haben.(Bundeszentrale für politische Bildung, kurz bpb 1)

 

  1. Kita/Schule: Seit der Schließung der Schulen herrscht eine große Debatte über die Folgen für die Kinder. Eine der größten Diskussionspunkte ist die Kompetenzentwicklung. Vor allem in den Sommermonaten verstärkt sich die Ungleichheit bei der Kompetenzentwicklung bei Schülern. Die Kinder aus bildungsschwächeren Familien, tun weniger für die Schule; hingegen werden Kinder aus bildungsstärkeren Familien gefördert. Durch die Coronakrise werden die “Sommermonate” verlängert. Eine ebenfalls wichtige Komponente ist die Wohnsituation. Nehmen wir an, ein Jugendlicher muss die Schulaufgaben in einer kleinen Wohnung am Esszimmertisch machen, während seine/ihre kleineren Geschwister ununterbrochen Geräusche von sich geben, ist eine gute Konzentration fast unmöglich. Hingegen haben Jugendliche, die ein eigenes Zimmer haben, bessere Chancen sich zu konzentrieren. Es spielt auch eine Rolle, wie die emotionale Lage der Eltern ist: Sie könnten eine Kündigung oder Schließung des eigenen Geschäftes fürchten oder aufgrund der zusätzlichen Belastung durch die zusätzliche Belastung der Kinderbetreuung gereizt sein. Diese Atmosphäre führt ebenfalls zu einer Ungleichheit. Auch zu nennen ist die technische Ausstattung einer Familie. Wenn ein Schüler keinen Computer hat oder von den Geschwistern belegt wird, führt das besonders in dieser Zeit der Video-Meetings zu einer großen Chancenungleichheit. Ich persönlich befürworte die schnelle Schulöffnung im September. Es steht zwar fest, dass trotz der Regeln der Coronavirus sich in der Schule ausbreiten wird, dennoch stellt sich die Frage, was der Preis für weitere Wochen der Isolation sein wird. Insgesamt lässt sich sagen, dass durch die Krise sich die schon vorhandenen Ungleichheiten im Schulsystem verstärken werden und sie hat uns die Fehler unseres Bildungssystems verdeutlicht – die Digitalisierung steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Wir sollten diese Defizite nutzen, sie in Chancen umwandeln die Digitalisierung an Schulen vorantreiben, um für die Zukunft besser gewappnet zu sein. Wir können gemeinsam die Situation zu etwas Nachhaltigem und Positiven verändern!
    (bpb 2)

 

  1. Eltern: Auch für die Eltern hat die Krise Folgen. Als erstes wäre zu nennen, dass sie aufgrund der Betreuungspflicht weniger produktiv sein können. Dem Kind die Physikaufgaben zu erklären, während ein Bericht für die Arbeit fertiggestellt werden muss, erweist sich als sehr schwierig; ebenfalls stellt es eine Herausforderung dar, mit den Kollegen eine Videokonferenz zu timen, während die Kinder fangen im Flur spielen. Unweigerlich führt diese Bilanz dazu, dass die Eltern beispielsweise bei einer Stellenkürzung als erstes gekündigt werden, da sie ja nicht so viel Arbeit wie die kinderlosen Kollegen geschafft haben. Ebenfalls wird eine Beförderung sich als schwierig erweisen. Eine echte Bedrohung für viele Familien! Besonders Mütter werden in dieser Zeit stark in der Arbeitswelt diskriminiert. Sie erledigen in dieser schwierigen Zeit oft die doppelte Arbeit – Haushalt, Kinder und Job – und müssen es schaffen, das Leben ihrer Kinder zu stabilisieren. Insgesamt lässt sich sagen, dass auch die Eltern unter vielen Faktoren leiden. Um eine solche Diskriminierung von Eltern zu vermeiden, sollte unsere Regierung ein Art Sicherung einführen: Das ein Elternteil aufgrund der geringeren Produktivität gefeuert wird, sollte verboten werden. Der Chef muss erst ein mit Gründen beschriebenes Formblatt der Behörde übergeben, die dann prüft ob der/die Betroffene/in ein Elternteil ist und ein Grund der Entlassung durch die Krise ausgelöst wurde. Wenn ja, dann wird die Entlassung per Gesetz verhindert!
    (bpb 3)

 

  1. Sozial schwächere Leute: Diese Menschen hatten schon vor Corona mit Problemen zu kämpfen. Sie hatten entweder kaum Geld, waren obdachlos und benötigten Hilfe von Außenstehenden. Diese Hilfe kam ihnen beispielsweise durch die Tafel, die Essensausgabe bei der Leonardskirche in Stuttgart, und vielen weiteren bewundernswerten sozialen Projekten zugute. Durch Corona ist eine Ausführung dieser Veranstaltungen nicht mehr möglich. Ich sehe auf der Straße zahlreiche Leute Essen aus Mülleimern kramen, da sie nicht mehr günstiges Essen von den Projekten bekommen. Das macht nachdenklich und traurig. Ist es wirklich richtig wegen der Ansteckungsgefahr die essentiellen Bausteine des Lebens vieler für Wochen zu schließen? Häufig sind diese sozialen Projekte, bei denen sozial schwächere unterstützt werden, ein wichtiger Anker für die Betroffenen. Jetzt muss man sich mal vorstellen, was passiert, wenn dieses Licht plötzlich verschwindet. Es könnte zu Selbstmordgedanken, Hunger und anderen schrecklichen Leiden kommen. Ich persönlich fände es angebracht, wenn man für diese Menschen eine Ausnahme macht und man einfach klare Regeln aufstellt. Als zweites wäre zu nennen, dass die Leute die weniger verdienen, die größte Gefahr tragen gefeuert zu werden. Ich glaube ein Unternehmen kündigt erst beispielsweise einen Teil der Reinigungskräfte, als die Mitarbeiter in höherer Stufe. Diese Menschen konnten aufgrund des niedrigen Gehaltes wenig bis gar keine Rücklagen bilden und würden bei einer Entlassung das Arbeitslosengeld und andere Hilfsmittel beantragen müssen. Die Arbeitslosigkeit kann zu psychischen Krankheiten wie Depression führen und man wird aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Insgesamt lässt sich sagen, dass die Folgen für die sozial schwächeren in unserer Gesellschaft groß sein werden. Wir müssen als soziale Gemeinschaft uns um diese Menschen, die die Hilfe am dringendsten benötigen, kümmern.Es hilft schon, wenn man beispielsweise einfach mal mit einem Obdachlosen spricht oder ihm Lebensmittel bringt. Ich glaube jeder kann in sich hineingehen und darüber nachdenken, was man zu einer Besserung der Situation beitragen kann.

 

  1. Generationen: Durch die aktuelle Situation ist es nicht mehr möglich mit den älteren Menschen richtig zu interagieren. Statt ein Gespräch Angesicht zu Angesicht zu führen, müssen wir auf Face Time etc. zurückgreifen. Dies stellt aber meist ein Problem dar: Viele ältere Menschen besitzen keine elektronischen Geräte, und/oder haben wenige Kenntnisse zum Gebrauch und ich glaube dass viele sich nach einem richtigen Kontakt sehnen. Es ist nicht das Gleiche mit den Enkelkindern zu telefonieren oder zu facetimen. Das führt in der Regel zu Einsamkeit. Später werde ich genauer auf die Folgen von Einsamkeit eingehen. Ich hoffe nicht, dass sich die Generationen durch die Regeln weiter voneinander entfernen. Ich mache mir persönlich sorgen, dass ich meine Großeltern vielleicht nie wieder sehen werde; es kann ja sein, dass sie in der Lockdownzeit versterben. Um der Einsamkeit entgegen zu wirken, sollten wir miteinander durch technische Hilfsmittel in Kontakt bleiben – oder wieder das Briefeschreiben entdecken!

 

  1. Psychische Folgen: Das Coronavirus geht an niemandem vorbei. Zum einen ist der Aspekt der Einsamkeit zu nennen. Sie ist sehr schwer zu definieren, aber man kann sagen, dass sie durch die Diskrepanz zwischen gewollten sozialen Kontakten und der Realität ist. Interessant ist, dass Einsamkeit im selben Teil entsteht, wie Schmerz. Deshalb ist dieser psychische Schmerz genauso schlimm wie körperlicher. Umso länger Einsamkeit anhält, umso mehr kann man sie wie eine dauerhafte Entzündung vorstellen. Sie verheilt langsam und tut lange weh. Wir Menschen sind eben soziale Lebewesen! Von vielen wird die Einsamkeit nicht als richtige Krankheit bezeichnet, aber sie hat schwere gesundheitliche Folgen. Einsamkeit wirkt sich auf unser Hormon-, Nerven- und sogar das Immunsystem stark aus. Man ist also automatisch krankheitsanfälliger. Einsamkeit ist schädlicher als 15 Zigaretten täglich, Fettleibigkeit und Alkoholmissbrauch. Schon zuvor hatten wir ein großes Einsamkeitsproblem, das durch die große Ignoranz in unserer Gesellschaft entstanden ist, aber jetzt führen die ganzen Regel und Kontaktsperren zu einer noch größeren Einsamkeit. (Spektrum) Beispielsweise bekommen ältere Menschen weniger Besuch von ihrer Familie, da sie zur Risikogruppe gehören. Ebenfalls fehlt den Schülern der tägliche Kontakt, sei es mit einfach nur gleichaltrigen oder Freunden. Besonders die jüngeren Kinder verstehen größtenteils nicht, warum sie nicht mehr in den Kindergarten oder in die Grundschule gehen dürfen. Sie vermissen das Spielen mit Freunden und auf dem Spielplatz herumzutollen. Ebenfalls fehlt bei vielen Kindern die pädagogische Zuwendung in dieser frühkindlichen Phase, und so entsteht bereits beim Schuleintritt eine Chancenungleichheit. Zudem ist zu nennen, dass die Kinder dadurch sich in einer gewissen Weise falsch entwickeln und durch die Vernachlässigung seitens der Eltern, die arbeiten müssen, sich sehr einsam fühlen. Auch zu Bedenken sind die ganzen Singles, die sich während des Lockdowns fast die ganze Zeit einsam in ihrer Wohnung befanden. Ich glaube in jeder Gesellschaftsgruppe haben Menschen mit Einsamkeit zu kämpfen; damit wir das vermeiden können, schadet es nicht auch mal die Großeltern, andere Verwandte, Freunde, etc. anzurufen.

 

 

Quellenverzeichnis

  1. bpb1: https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/coronavirus/307702/soziale-folgen (15.6.20)
  2. bpb 2: https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/coronavirus/313446/bildungsgerechtigkeit (15.6.20)
  3. bpb 3: https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/coronavirus/307702/soziale-folgen (15.6.20)
 

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