Transparency International veröffentlicht Korruptionsbarometer für Europa und Zentralasien

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International hat die Ergebnisse des Globalen Korruptionsbarometers (Global Corruption Barometer, GCB) 2016 vorgestellt. Die repräsentative Bevölkerungsumfrage in 42 Ländern der Region untersucht unter anderem, wie korrupt einzelne Gesellschaftsbereiche wahrgenommen werden. Insgesamt schneidet Deutschland im internationalen Vergleich am besten ab. Von Vertretern der Politik, Verwaltung und religiösen Institutionen nehmen nur jeweils weniger als zehn Prozent der deutschen Befragten an, mehrheitlich korrupt zu sein. Justiz und Polizei werden als besonders wenig korrupt wahrgenommen. Anders sieht es bei der Privatwirtschaft aus.

„Das Ideal des ehrbaren Kaufmanns scheint für viele aus der Zeit gefallen“

Bei der Wirtschaft hingegen fällt die Wahrnehmung deutlich negativer aus. Ein Drittel der Befragten in Deutschland nimmt an, dass alle oder die meisten Unternehmensleitungen in korrupte Machenschaften involviert sind. Tatsächlich haben die jüngsten Skandale das Vertrauen in die Integrität der Führungsetagen nachhaltig erschüttert. Es scheint, dass die Unternehmen trotz eigener Complianceabteilungen und umfangreicher Regelwerke nicht über die angemessenen Instrumente verfügen, um Korruption wirkungsvoll zu bekämpfen. „Das Ideal des ehrbaren Kaufmanns scheint für viele aus der Zeit gefallen. Wir sehen jedoch, dass das beste Compliance-Management-System versagt, wenn Integrität nicht von der Unternehmensleitung vorgelebt wird“, so Edda Müller, Vorsitzende von Transparency Deutschland.

Unzulässige Einflussnahme bereitet Bürgern Sorgen

Integrität und Transparenz spielen bei politischen Institutionen eine große Rolle. Der Einfluss von Interessensgruppen auf den Gesetzgebungsprozess wurde von den Befragten besonders kritisch gesehen. 77 Prozent der Befragten in Deutschland stimmten der folgenden Aussage zu: „Wohlhabende Personen nutzen oft ihren Einfluss auf die Regierung für ihre eigenen Interessen, und es braucht strengere Regeln, um dies zu verhindern.“ Es ist Aufgabe der Politik, für mehr Transparenz im Gesetzgebungsprozess und einen stringenteren Umgang mit Interessenkonflikten zu sorgen: „Wir fordern deshalb einen legislativen Fußabdruck, der die Einflüsse aller beteiligten Interessengruppen im Gesetzgebungsprozess abbildet“, sagt Edda Müller, Vorstandsvorsitzende von Transparency Deutschland.

Weitere Informationen

Zuletzt wurde das Globale Korruptionsbarometer 2013 veröffentlicht. Anders als bei dem Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index, CPI) liegen ihm nicht Experteninterviews, sondern breite Meinungsumfragen zugrunde. Für das GCB 2016 wurden in Europa und Zentralasien fast 60.000 Personen in 42 Ländern befragt. In Deutschland hat das Meinungsforschungsunternehmen TNS Opinion, im Auftrag von Transparency International, 1500 Personen interviewt. Die Feldstudien wurden im Januar und Februar 2016 mittels persönlicher Interviews durchgeführt.

Zum ausführlichen internationalen Bericht

Bild: © vege – Fotolia.com

 

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