Trotz etlicher neuer Klimaschutz-Ankündigungen ist die Welt dem erklärten Ziel kaum nähergekommen, die Erderhitzung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Laut dem heute veröffentlichten “Emissions Gap Report 2022” des UN-Umweltprogramms UNEP würde die Umsetzung sämtlicher bisheriger Ankündigungen die Erderhitzung nur auf 2,4 Grad begrenzen, im 2021er-Report waren es 2,6 Grad – und unverändert reichen die schon in aktuelle Politik umgesetzten Pläne lediglich für 2,8 Grad. Ein Ankerpunkt des Berichts sind neue umfassende Berechnungen zu den Treibhausgas-Emissionen.

Das entsprechende Kapitel wurde federführend gestaltet im Berliner Klimaforschungsinstitut MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change). “Die Corona-Delle währte nur kurz, die vorläufigen Daten für 2021 zeigen einen neuen Rekordstand”, berichtet William Lamb, Wissenschaftler in der MCC-Arbeitsgruppe Angewandte Nachhaltigkeitsforschung und Leitautor des Kapitels “Globale Emissionstrends” im neuen UNEP-Bericht.

Der gesamte CO₂-Ausstoß aus dem Verbrennen fossiler Brennstoffe und aus Industrieprozessen sowie der Ausstoß von CH₄, N₂O and F-Gasen ist im Zuge der pandemiebedingten Lockdowns kräftig gesunken – doch 2021 lag er mit 52,8 Gigatonnen CO₂-Äquivalenten schon wieder um 0,26 Gigatonnen höher als 2019. “Dieser Rebound-Effekt zeigt sich quer durch fast alle Sektoren, mit der großen Ausnahme des Flugverkehrs”, so Lamb. “Allerdings lässt die Passagierstatistik darauf schließen, dass der Ausstoß bald auch in diesem Sektor neue Höhen erreicht.”

Regional fällt der Zweijahresvergleich über die Corona-Delle hinweg sehr unterschiedlich aus. Der bei weitem größte Treibhausgas-Emittent China emittierte 2021 mit 5,9 Prozent deutlich mehr als 2019; auch Indien, Russland, Brasilien und Indonesien liegen klar im Plus. Dagegen steht für die USA und die EU ein Rückgang um 6,7 und 4 Prozent. Historisch betrachtet fiel freilich in diesen beiden Regionen der Löwenanteil der Emissionen des CO₂ an, nämlich 42 Prozent zwischen 1850 und 2019. Dagegen waren es nur 13 Prozent in China – und 0,5 Prozent in den 46 “am wenigsten entwickelten Ländern” mit aktuell 880 Millionen Menschen. Dabei gibt es auch innerhalb von Ländern großes Gefälle. Das nach Konsum reichste Hundertstel der Weltbevölkerung trägt zur Klimakrise derzeit 17 Prozent der Treibhausgas-Emissionen bei, die gesamte ärmere Hälfte der Welt dagegen lediglich 12 Prozent.

Das Emissionskapitel des UNEP-Bericht beleuchtet auch die Rolle der Landsenken, also Böden, Wälder und Moore. Die aus nationalen Angaben aggregierte Statistik reicht hier nur bis 2020. Demnach sorgen solche Landsenken global gesehen für eine geringfügige Klima-Entlastung, in Brasilien und Indonesien allerdings für erhebliche Klima-Belastung. Das Kapitel geht zudem auf den Umstand ein, dass in wissenschaftlichen Klimamodellen für die Landsenken auch global gesehen ein Netto-Ausstoß von Treibhausgasen ausgewiesen wird: Es kommt zu dem Schluss, dass dies nur ein scheinbarer Widerspruch ist, der auf einer unterschiedlichen Abgrenzung von menschengemachten und natürlichen Effekten in diesem Bereich beruht.

“Insgesamt gibt es beim Kampf gegen die Erderhitzung zwar gewisse Fortschritte”, bilanziert MCC-Forscher Lamb. “Durch Klimaschutz-Maßnahmen und technologische Entwicklungen hat sich wenigstens das Wachstum der globalen Treibhausgas-Emissionen verlangsamt, und einige Länder haben den Höhepunkt hinter sich. Doch nach der Corona-Delle brauchen wir dringend eine echte globale Trendwende.” Wie groß der Handlungsdruck ist, verdeutlicht der UNEP-Bericht so: Um bis 2030 in die erwünschte Spur des 1,5-Grad-Ziels zu kommen, muss die Welt ihren Klimagas-Ausstoß um 45 Prozent drosseln – in nur acht Jahren.

 

Originalpublikation:

Lamb, W., Grassi, G., et al., Global emissions trends, Chapter 2, UNEP (2022). The Emissions Gap Report
https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2022

 

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