Beitrag zum Projekt „LEUTUM“ von UnternehmerTUM und KSG 02/2018

 

1 Führung und Führungspersönlichkeiten in der heutigen VUCA-Zeit

Wer sich heute mit dem Thema Führung und Führungspersönlichkeit auseinandersetzt, trifft auf eine breite Fülle an Forschungsergebnissen, Ansätzen und Methoden. Googlet man das Wort „Führung“, erhält man rund 41 Millionen Ergebnisse; für das englische Wort „leadership“ sind es sogar 582 Millionen. Dabei sticht ins Auge, dass sowohl der Begriff „Führung“ wie auch Führungsmethoden und die Erwartungen an aktuelle und angehende Führungspersönlichkeiten einem stetigen Wandel unterliegen. Dieser hängt eng zusammen mit dem (Werte-)Wandel, den die Arbeit im Sinne der Erwerbstätigkeit seit den 1960er Jahren erfährt: Arbeit entwickelte sich immer weiter weg von der reinen Grundeinkommenssicherung hin zur Selbstentfaltungs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeit (u. a. Opaschowski 1987). Entsprechend verändern sich die Anforderungen an Führungskräfte.

Eines der großen Schlagworte in dieser Entwicklung ist VUCA, das Akronym für die Begriffe Volatility (Unbeständigkeit), Uncertainty (Unsicherheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit). VUCA beschreibt bezogen auf die Wirtschaft die aktuellen Herausforderungen, unter denen Unternehmen und ihre Mitarbeiter geführt werden müssen (Mack/Khare 2016). In einer von Globalisierung und Digitalisierung geprägten Zeit scheint es einen großen Bedarf an Mitarbeitern zu geben, die nicht nur unternehmerisch denken und handeln, sondern sich auch mit ihren Unternehmen identifizieren und deren Visionen mitverfolgen. Die Unternehmen sind zudem geprägt von kontinuierlichen Veränderungsprozessen, Innovations- und Wettbewerbsdruck und durchleben eine Zeit, in der sich Technologien rapide verändern, was jedem Mitarbeiter Leistungsstärke und hohe Motivation abverlangt (u. a. Frey/Peus/Braun 2009).

Die effektive und effiziente Führung von Mitarbeitern steht dabei besonders im Scheinwerferlicht, da sie Unternehmen Wettbewerbsvorteile sichern soll. In diesem Zusammenhang stößt man unumgänglich auf die Forschung zum vielversprechenden transformationalen Führungsstil nach Bernhard M. Bass (Bass/Steidlmeier 1999; Bass/Riggio 2006; Judge/Piccolo 2004). Bass‘ Modell knüpft daran an, dass Mitarbeiter sich an ihrem Arbeitsplatz weiterentwickeln und entfalten möchten. Führungskräfte sollten dies berücksichtigen, indem sie die persönlichen Interessen und Ziele ihrer Mitarbeiter einbeziehen, den Beitrag der einzelnen Mitarbeiter zum Erreichen der Unternehmens- beziehungsweise Abteilungsvision deutlich machen und die Ideen ihrer Mitarbeiter fördern. Bass‘ Ansicht nach sollte eine Führungskraft Spitzenleistungen durch vier Grundkomponenten triggern: Charisma, inspirierende Motivation, intellektuelle Stimulierung sowie Wertschätzung und Weiterentwicklung individueller Stärken der Mitarbeiter (Bass 1985 u. 1990). Dahinter liegt die Grundannahme, dass Mitarbeiter ihr volles Potential im Dienst eines Unternehmens ausleben, wenn sie in Bezug auf Ziele, Werte und Vision eine Identifikation mit dem Arbeitgeber spüren. Dies ermöglicht eine Selbstbestimmung und Wertschätzung, die die eigene Arbeitsleistung als sinnstiftend und wertvoll erlebbar macht. Später erweiterte Bass seinen Ansatz in Richtung „Authentic Leadership“ (Bass/Steidlmeier 1999): Eine Führungskraft sollte – abgesehen vom Abspielen trainierter und empfohlener Verhaltensweisen – vor allem authentisch sein und im Interesse und Dienst des Unternehmens agieren.

 

2 Studierende zu Führungs- und Unternehmerpersönlichkeiten entwickeln – der Ansatz von UnternehmerTUM und KSG

Doch was bedeutet dies alles konkret für angehende Führungspersönlichkeiten und junge Unternehmensgründer,1 die oft unvermittelt vor ihrer ersten Führungsverantwortung stehen? Wie kann man Studierende, die schon während des Studiums oder kurz danach als Unternehmensgründer oder als Unternehmer im Unternehmen agieren möchten, parallel zum Universitätsabschluss in Richtung Führung sensibilisieren und entwickeln? Und das, wo die meisten noch gar nicht wissen, welchen Herausforderungen sie gegenüber stehen werden?

Diesen Fragen haben sich die beiden Institutionen UnternehmerTUM – Center for Innovation and Business Creation at TUM – und Karl Schlecht Stiftung (KSG) gemeinsam gewidmet. Dabei entstand das Projekt LEUTUM (Leadership Engineering an der UnternehmerTUM). Es fördert Studierende frühzeitig darin, als angehende Führungs- und Unternehmerpersönlichkeiten die VUCA-Herausforderungen meistern zu lernen – durch die Reflexion bisheriger Erfahrungen, Erkenntnisse, Erfolge wie auch Misserfolge sowie den Transfer dahingehend, was sie selbst als Privatperson und Führungskraft ausmacht.

Before you are a leader, success is all about growing yourself. When you become a leader, success is all about growing others“, schrieb der ehemalige CEO von GE, Jack Welch (Welch 2005). Die Idee und der Ansatz, zunächst bei der individuellen Persönlichkeitsentwicklung und Selbstführung anzusetzen und darauf aufbauend die Entwicklung zur Führungs- und Unternehmerpersönlichkeit anzugehen, werden auch im Rahmen des LEUTUM-Projekts verfolgt. Im Zentrum der LEUTUM-Angebote stehen die Stipendiaten des unternehmerischen Qualifizierungsprogrammes Manage&More. Schon seit 2004 vergibt UnternehmerTUM pro Semester 20 Stipendien für das dreisemestrige Programm an Studierende aller Münchner Hochschulen, die künftig Verantwortung als Unternehmer im Unternehmen oder als Gründer übernehmen möchten. Kernelemente des Manage&More-Programms, das die Teilnehmer parallel zu ihrem Studium absolvieren, sind Beratungs- und Gründungsprojekte, Vermittlung von Methodenwissen (zum Beispiel Business Design und Design Thinking), Mentoring, Networking – und eben zahlreiche Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung.

Schematischer Programmablauf von Manage&More (siehe https://www.manageandmore.de)

 

Im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung treffen die Wege von UnternehmerTUM und Karl Schlecht Stiftung zusammen. Seit rund drei Jahren kooperieren beide Institutionen im Projekt LEUTUM mit dem gemeinsamen Ziel, eine ganzheitliche unternehmerische Ausbildung zu ermöglichen, in der auch personale Kompetenzen gestärkt werden und die Studierenden sich intensiv mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen. Dadurch reifen sie zu Führungs-/Gründerpersönlichkeiten, die sich durch ihre reflektierten Führungs-, Handlungs- und Interaktionsweisen auszeichnen und Verantwortung übernehmen.

Letztlich soll dabei ein Umgang mit sich selbst gefördert werden, der das Lernen aus Fehlern und Herausforderungen erlaubt, Emotionen zulässt ohne dass diese direkt handlungsleitend werden und Selbstvertrauen, Wertschätzung und Wertungsfreiheit erlaubt. Wenn die Studierenden ihre Ausbildung durch Manage&More und LEUTUM beenden, sollen sie gut darauf vorbereitet sein, die Welt zum Positiven zu verändern – getreu dem im systemischen Coaching hoch geachteten Motto „Leave footprints of love and kindness wherever you go“.

 

3 Bausteine des Projekts LEUTUM

Um die Studierenden parallel und ergänzend zu ihrem Studium zu entwickeln, arbeitet das Projekt LEUTUM mit zahlreichen Workshopangeboten sowie Karriere-, Individual- und Teamcoachings nach dem systemischen Ansatz.

3.1 Workshop-Angebote

Kern von LEUTUM sind Workshop-Angebote mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Reflexionsmöglichkeiten, unter anderem zu Themen wie Motivstrukturen, Verantwortung und Kreativitätstechniken. Drei Workshop-Formate werden im Folgenden detailliert aufgezeigt: der Workshop „Generationsvision“, die „Akademie Führung und Persönlichkeit“ sowie der Workshop „Kreativität und Persönlichkeit“.

Beispiel 1: Workshop „Generationsvision“

Der Workshop „Generationsvision“ wird gleich zu Beginn des unternehmerischen Qualifizierungsprogramms Manage&More durchgeführt. Die Stipendiaten erhalten zunächst theoretischen Input zum Thema Visionen und ihren Wirkungsweisen im persönlichen wie unternehmerischen Kontext. Im Anschluss wird ihnen mit Fokus auf die systemische Wirkungsweise die Aufgabe gestellt, für sich selbst eine persönliche Vision für das eineinhalb Jahre dauernde Programm zu entwickeln. Zu guter Letzt geht es darum, eine gemeinsame Vision zu erstellen, die sie als Kohorte (bei Manage&More „Generation“ genannt) bis zum Ende ihrer Stipendiumszeit und darüber hinaus leiten soll. Diese Vision wird interaktiv entwickelt, visuell aufgearbeitet und gemeinsam präsentiert.

Dadurch generieren die Stipendiaten gleich zu Beginn zum einen ein tieferes Gespür und Verständnis für ihre eigene Rolle, ihre Ziele und ihre Mitwirkung innerhalb eines Teams, ihrer Manage&More-Generation. Zum anderen setzen sie sich aktiv und reflexiv mit ihrer (Mit-)Verantwortung im Rahmen von Manage&More auseinander – (Mit-)Verantwortung für ihre persönlichen Weiterentwicklungsziele ebenso wie für die Ausrichtung und Gestaltung des Qualifizierungsprogramms selbst. Ein weiteres Ziel des Workshops ist die Verankerung des Stellenwerts von Visionen für ihre späteren Führungsaufgaben als Methode der Teammotivation und -führung (Krumbach-Mollenhauer/Lehment 2010).

„The very essence of leadership is that you have to have a vision. It’s got to be a vision you articulate clearly and forcefully on every occasion. You can’t blow an uncertain trumpet.“ (Reverend Theodore Hesburgh)

Angeregt und geschärft werden zudem Offenheit, Respekt und Wertschätzung gegenüber anderen Teammitgliedern mit ihren jeweils individuellen Wichtigkeiten, Lebensausrichtungen und Fähigkeiten.

Die 26. Manage&More-Generation mit der Ausarbeitung ihrer Vision „Diversity – Inspiration – Development“ (Copyright UnternehmerTUM GmbH)

 

Beispiel 2: Akademie „Führung und Persönlichkeit“

Das tiefgreifendste Angebot innerhalb von LEUTUM stellt zweifelsohne die Akademie „Führung und Persönlichkeit“ dar, die von Professor Dr. Michael Bordt SJ und Johannes Lober vom Institut für Philosophie und Leadership der Hochschule für Philosophie München geleitet wird. Das Projekt LEUTUM ermöglicht es pro Semester 16 Manage&More-Stipendiaten und -Alumni, an der einwöchigen Akademie auf Schloss Elmau teilzunehmen.

Die Teilnehmer bekommen die einzigartige Möglichkeit, sich eine Woche lang fernab vom Alltag in sich selbst zu vertiefen, zu reflektieren und sich wahrzunehmen. Die Akademie bietet zum einen den Raum, sich mit Themen wie „Fundament“, „Verletzungen“, „Berufung“ und „Konflikte“ auseinanderzusetzen. Zum anderen ist der Austausch mit Persönlichkeiten aus Führungs- und Spitzenpositionen in Wirtschaft und Gesellschaft möglich. Meditations- und Yogaübungen sind ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Akademie.

Die Stipendiaten machen während der Akademie Selbsterfahrungen, die ihnen zu einem besseren und bewussteren Selbstverständnis und Selbstzugang verhelfen, was für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Führungsverhalten in Bezug auf sich selbst sowie andere Menschen wichtig ist. So kann es den Stipendiaten gelingen, in zukünftiger Führungsverantwortung ein Bewusstsein für den Ursprung eigener Verhaltensweisen, Wünsche, Trigger und Ängste zu erlangen und diese nicht als handlungsleitend zu empfinden.

Die Teilnehmer der Akademie „Führung und Persönlichkeit“ vor der morgendlichen Yoga-Einheit (Copyright UnternehmerTUM GmbH)

 

Ergänzt wird dieses einzigartige Angebot durch Individual-Coachings vor und nach dem Besuch der Akademie sowie durch die Workshops „Motivstruktur“ und „Sich selbst und andere führen“. Die Stipendiaten können diese Formate freiwillig wahrnehmen, um sich auf die Akademie vorzubereiten beziehungsweise daran zu arbeiten, ihre Erkenntnisse in den (Führungs-)Alltag zu transferieren. Im Workshop „Sich selbst und andere führen“ bekommen die Stipendiaten unter der weiterführenden Leitung von Professor Dr. Bordt SJ und Johannes Lober beispielsweise die Möglichkeit, mehrere Monate nach der Akademie Erlebnisse aus selbiger nochmals zu reflektieren und zu vertiefen. Auch das Thema Führung wird hier wieder aufgegriffen.

Beispiel 3: Workshop „Kreativität und Persönlichkeit“

Eine ganz andere Akzentuierung und Methodik liegt dem Workshop „Kreativität und Persönlichkeit” unter Anleitung von Horst Benz und Heidi Schrickel aus der Kunstschule Atelier Freifarbe zu Grunde. Dieser Workshop lädt die Manage&More-Stipendiaten dazu ein, sich mittels Farbe und Pinsel neuen Kreativitätsprozessen zu öffnen. Dabei wird ein (Mal-)Prozess durchlaufen, zu dem Entscheidungen hinsichtlich angehender Farb- und Bildideen, ein Öffnungsprozess gegenüber neuen und freien Kreativitätstechniken sowie das sich Einlassen auf alternative Methoden bis hin zum Abschluss des Bildes gehören.

Beim Workshop „Kreativität und Persönlichkeit” geht es unter anderem darum, Unsicherheiten auszuhalten und so kreative Gestaltungsprozesse zu ermöglichen (Copyright UnternehmerTUM GmbH)

 

Über das Malen und Zeichnen hinaus finden durch die Trainer begleitete Reflexionsprozesse statt, auch tänzerische Elemente werden mit eingebaut. Die beiden Trainer leben zudem eine Haltung und Kultur vor, die von gegenseitiger Achtung und individuellen Freiräumen geprägt ist. Der Workshop führt die Stipendiaten von ihrer Komfortzone in die Lernzone und fördert das Bewusstsein für wertungsfreie Förderung von Individualität und Fähigkeiten.

 

3.2 Systemisches Individual- und Team-Coaching

Ergänzend zu den oben ausgeführten und weiteren Workshop-Angeboten arbeitet das Projekt LEUTUM verstärkt mit systemischen Individual- und Team-Coachings.

Individual-Coachings ermöglichen es den Manage&More-Stipendiaten, in Zukunft für sie passende Berufs- und Karriereentscheidungen zu treffen, die mit ihren Stärken und Kompetenzen, aber auch Werten und Bedürfnissen übereinstimmen. Durch diese stärkenversierte Herangehensweise sollen Frustrationserlebnisse, berufliche und persönliche Fehlentscheidungen sowie Unzufriedenheit in der VUCA-(Arbeits-)Welt minimiert werden. Im Fokus der Weiterentwicklung stehen Handlungsfähigkeit, Bewusstsein über den eigenen Charakter sowie eigene Stärken und Fähigkeiten als Gründer und Führungskraft. Der Stipendiat wird dabei unterstützt, seinen Selbstzugang auszubauen und eigene Bedürfnisse und Fähigkeiten zu (er-)kennen und richtig einsetzen zu können. Erzielt wird dabei eine Kongruenz hinsichtlich der eigenen Bedürfnisse und Werte, was vor allem für die eigene Führungskompetenz wichtig ist: Wer seine Grenzen kennt, kann auch seinen Spielraum zufriedenstellend für sich und andere gestalten und ist fähig, seine Aufgaben zufriedenstellend wie auch erfolgreich zu erfüllen – ein aktiver Beitrag zur Burn-Out-Prävention.

Weitere mögliche Themen in den Individual-Coachings sind konkrete Führungssituationen und -herausforderungen. Diese werden besprochen, konstruktiv gelöst und weiterentwickelt. Coaching kann hierbei auch begleitend und unterstützend zum erstmaligen Antritt einer führenden Position wirken (zum Beispiel innerhalb eines Beratungs- oder Gründungsprojekts im Manage&More-Programm) und je nach Bedürfnis im regelmäßigen Austausch stattfinden.

Team-Coachings adressieren Teams, die gemeinsam an Projekten innerhalb von Manage&More arbeiten. Neben der Analyse der Teamsituation, Rollenklärung, Reflexion und Auflösung von Konflikten werden auch Team-Visionen kreiert, Feedbackprozesse gestartet und Stärken der einzelnen Teammitglieder herausgearbeitet und strategisch zur Zielerreichung im Projekt eingesetzt.

 

4 Bisherige Ergebnisse der LEUTUM-Förderung für Manage&More-Stipendiaten

Ein Impact der LEUTUM-Förderung für Gesellschaft und Unternehmen zeigt sich vor allem dann, wenn die entwickelten Fähigkeiten in einer späteren Führungsverantwortung zum Tragen kommen: Eine reflektierte Führungs- und Unternehmerpersönlichkeit kann einen besonders positiven Einfluss auf ihre Mitarbeiter haben, diese hinsichtlich ihrer Stärken fördern und eine wertschätzende Führungskultur etablieren. Dabei unterstützen sowohl die unternehmerischen Qualifikationen aus dem Manage&More-Programm als auch insbesondere die Angebote aus dem Projekt LEUTUM. Die Messbarkeit dieses Impacts stellt jedoch eine Herausforderung dar, zumal der Effekt mit einer mehr oder weniger großen zeitlichen Verzögerung auftritt.

Dennoch gibt es aus den bislang zweieinhalb Jahren Projektlaufzeit einige Hinweise auf die Wirksamkeit der LEUTUM-Angebote. Die Teilnehmer haben fortlaufend Feedback zu den Angeboten gegeben und diese evaluiert. Die Ergebnisse zeigen, wie wertvoll eine frühe Förderung für die angehenden Führungspersönlichkeiten ist, vor allem die individuelle Weiterentwicklung basierend auf Erfahrungen in der Selbst- und Fremdführung. Eine fundierte und tiefgründige Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten, Wünschen, Triggern und Umgangsweisen mit Konflikten und Ängsten sowie der Transfer der Erkenntnisse in alltagstaugliche Strategien und Handlungsweisen bilden eine gute Ausgangslage für die zukünftigen Unternehmer und Führungskräfte, die sich neben der Hochschulausbildung bei „Manage&More“ vertieft unternehmerisch qualifizieren.

Ein Stipendiat des Manage&More-Programms beschreibt seine Erfahrungen mit den LEUTUM-Angeboten so: „(…) Ich habe es auch in der Univorlesung gemerkt, wo sie uns immer den richtigen Führungsstil beibringen wollen und wo man aber eigentlich merkt, dass es den richtigen gar nicht gibt und dass das umstritten ist. Und da würde ich zustimmen, (…) dass es eben nicht den einen richtigen Führungsstil gibt, sondern dass Persönlichkeit die gute Führungsperson ausmacht.“

Das Zitat ist der aktuell durchgeführten Evaluation des LEUTUM-Projekts entnommen, deren qualitative und quantitative Ergebnisse auf persönlichen Interviews und einer Online-Befragung mit rund 30 Manage&More-Stipendiaten beruhen werden. Wir blicken den finalen Resultaten der Evaluation gespannt entgegen. Aufgrund erster Zwischenergebnisse und der direkten Rückmeldungen der Stipendiaten fühlen wir uns bereits jetzt in unseren Ansätzen bestätigt, ziehen eine positive Zwischenbilanz und werten LEUTUM als erfolgreiches Projekt, das unsere Stipendiaten dazu befähigt, ihre Führungsstärken und -kompetenzen zu entdecken und auszubauen.

 

Fußnote

1) Obwohl aus Gründen der Lesbarkeit im Text die männliche Form gewählt wurde, beziehen sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter.

 

Literaturliste

Bass, B. M. (1985): Leadership and performance beyond expectations. New York.

Bass, B. M. (1990): Bass and Stogdill’s Handbook of Leadership: Theory, Research and Management Applications. New York.

Bass, B. M. – Steidlmeier, P. (1999): Ethics, character, and authentic transformational leadership behavior. In: The Leadership Quarterly 10 (2), S. 181–217.

Bass, B. M. – Riggio, R. E. (2006): Transformational leadership. 2. ed. Mahwah.

Frey, D. – Peus, C. – Braun, S.: Einsatz von Gruppenworkshops in Kombination mit Individualcoaching zur Förderung von Führungskompetenzen (2009). In: Birgmeier, B. (Hg.): Coachingwissen. Wiesbaden, S. 365-376.

Judge, T. A. – Piccolo, R. F. (2004): Transformational and transactional leadership: A meta-analytic test of their relative validity. In: Journal of Applied Psychology, 89, S. 755-768.

Krumbach-Mollenhauer, P. – Lehment, T. (2010): Führen mit Psychologie. Menschen effizient und erfolgreich führen. Weinheim.

Mack, O. – Khare, A. u. a. (Hg.) (2016): Managing in a VUCA World. Heidelberg/New York.

Opaschowski, H. W. (1987): Von der Geldkultur zur Zeitkultur. Neue Formen der Arbeitsmotivation für zukunftsorientiertes Management. In: G. Schanz (Hg.): Handbuch Anreizsysteme in Wirtschaft und Verwaltung. Stuttgart, S. 32-52.

Welch, J. – Welch, S. (2005): Winning – Das ist Management. New York.

 

Die Autorinnen

Marina Moskvina

Expert Personal Development & Coaching, Entrepreneurship & Tech Education UnternehmerTUM GmbH

Marina Moskvina verantwortet an der UnternehmerTUM im Rahmen von Manage&More den Bewerbungsprozess, internationale Kooperationen und ist abteilungsübergreifend für die Themen Persönlichkeitsentwicklung und Coaching konzeptionell sowie durchführend zuständig. Als ausgebildeter systemischer Coach unterstützt sie Studierende vor allem bei ihrer Karriereplanung und dem gezielten Einsatz ihrer Stärken und Fähigkeiten im beruflichen Kontext.

 

Dr. Claudia Liebethal

Executive Director Manage&More, Entrepreneurship & Tech Education UnternehmerTUM GmbH

Claudia Liebethal ist als Executive Director für das unternehmerische Qualifizierungsprogramm Manage&More verantwortlich. Zuvor steuerte sie das Marketing für die Entrepreneurship-Programme der UnternehmerTUM. Claudia Liebethal absolvierte Studium und Promotion im Fachbereich der Geoökologie an der Universität Bayreuth, bevor sie sich den Feldern Personalmarketing/Recruiting und Entrepreneurship Education zuwandte.

 

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