Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die neue Kolleg-Forschungsgruppe „Zukünfte der Nachhaltigkeit: Modernisierung, Transformation, Kontrolle“ an der Universität Hamburg bewilligt. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, zu ergründen, wie sich moderne Gesellschaften verändern, wenn sie sich von unterschiedlichen Vorstellungen von Nachhaltigkeit leiten lassen. Antragssteller sind die beiden Soziologen Prof. Dr. Frank Adloff und Prof. Dr. Sighard Neckel von der Universität Hamburg. Das Forschungsvorhaben wird zunächst für vier Jahre gefördert und erhält 3,4 Millionen Euro, hinzu kommt eine Programmpauschale von 22 Prozent der Fördersumme. Mit der Einrichtung des Kollegs ist im Jahr 2019 zu rechnen. Es ist die dritte Kolleg-Forschungsgruppe an der Universität Hamburg.

Nachhaltigkeit ist in den vergangen zwanzig Jahren zu einem Leitbegriff gesellschaftlichen Wandels geworden, wie der Sprecher der Forschungsgruppe, Prof. Neckel, sagt. Allerdings würden mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ ganz unterschiedliche Ziele und Zukunftsvorstellungen verbunden. Drei unterschiedliche Entwicklungspfade von Nachhaltigkeit – Modernisierung, Transformation, Kontrolle – untersucht die Forschungsgruppe. Sie zeigen an, über welche Zukunftsvorstellungen heute gestritten wird: Als Modernisierung konzipiert, diene Nachhaltigkeit einer Erneuerung kapitalistischer Wirtschaft und ihrer Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen, so Prof. Neckel. Kritik an diesem Konzept sehe den Zwang zum wirtschaftlichen Wachstum als Hindernis nachhaltiger Entwicklung, sie ziele vielmehr auf eine fundamentale gesellschaftliche Transformation. Demgegenüber stehe der Versuch, Problemen der Nachhaltigkeit durch eine umfassende Politik der Kontrolle zu begegnen.

Der Präsident der Universität Hamburg, Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Lenzen, sagt: „Der Erfolg unserer Kollegen ist auch das Ergebnis unserer Berufungspolitik: Wir haben gleich ein ganzes ‚Cluster‘ an Professorinnen und Professoren zu gesellschaftlichen Problemen der Nachhaltigkeit berufen. Aus diesem ‚Cluster‘ heraus ist dieser Erfolg errungen worden. Herzlichen Glückwunsch!“

Die Kolleg-Forschungsgruppe betritt mit ihren Fragen zu Nachhaltigkeit Neuland. Zwar habe sich die bisherige Forschung zu Nachhaltigkeit vielfältig entwickelt, „aber die Probleme, die Nachhaltigkeit möglicherweise selbst hervorbringt, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bisher wenig beachtet“, erläutert Antragssteller Prof. Adloff. Ebenso wenig sei bislang untersuchtworden, welche neuartigen Konflikte, Ungleichheiten und Hierarchien sich herausbilden, wenn Gesellschaften Kriterien von Nachhaltigkeit in ihre Funktionsbereiche, Institutionen und kulturellen Wertmuster integrieren.

Um eine eurozentristische Perspektive zu vermeiden, bezieht die Forschungsgruppe Nachhaltigkeitsdiskurse aus Lateinamerika, Ostasien und Australien mit ein. Dafür sollen in den kommenden Jahren insgesamt vierzig internationale Forscherinnen und Forscher als „Fellows“ nach Hamburg kommen.

Die Kolleg-Forschungsgruppen der DFG sind ein speziell auf geistes- und sozialwissenschaftliche Arbeitsformen zugeschnittenes Förderangebot. Sie sollen insbesondere die Bearbeitung eines relevanten, aber weiter gefassten Themas ermöglichen. Zudem steht die Kooperation besonders ausgewiesener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Vordergrund.

 

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