Ein Studium soll weit mehr als Fachkompetenz vermitteln, um die Studierenden zu aktiven Gestaltern ihrer Zukunft auszubilden. HM-Professor Ralph Buchner setzt auf transformative Lehre: für eine achtsame Persönlichkeitsbildung der Studierenden.

Welches Wissen und welche Fähigkeiten sollten Studierende heute erlangen, um der Welt der Zukunft kompetent begegnen zu können? Mit dieser Frage beschäftigt sich Designprofessor Ralph Buchner im Rahmen seiner Innovationsprofessur an der Hochschule München, gefördert mit Mitteln der Hightech Agenda Bayern. Sein Thema: transformative Bildung für Studierende. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff? “Neben ihrem Wissen und ihrem rationalen Verstand nutzen die Studierenden dabei höhere Formen des Denkens – etwa Intuition, Inspiration und Imagination”, erklärt Buchner. Transformative Lehrmethoden sollen die Studierenden zu reiferen Menschen machen, die die ökologische, soziale und technologische Transformation aktiv und kompetent mitgestalten.

 

Zu den Quellen der Kreativität

Die Zukunftskompetenzen, die Buchner seinen Studierenden mit auf den Weg geben möchte, sind unter anderem: Empathie und Achtsamkeit, Offenheit und eine kreative Denkweise sowie interdisziplinäres und verantwortliches Handeln. Eine seiner Lehrmethoden hierzu ist der U-Prozess. Dazu Buchner: “Diese Gestaltungsmethode des Aktionsforschers Otto Scharmer, die übrigens auch von vielen Unternehmen im Change Management eingesetzt wird, bringt uns zu den tieferen Quellen der eigenen Kreativität.” Dabei lässt sich nahezu jede Fragestellung mit dieser Methode bearbeiten.

Beginnend beim Downloading über das Seeing und Sensing, weiter über das Presencing, das Kreativsein in der Mitte des U-Prozesses, und schließlich über das Crystallizing und Prototyping gelangen die Studierenden bis zum finalen Performing. Mit den sieben Schritten der U-Methode bearbeitete Buchner bereits Themen aus dem Design, den Sozialwissenschaften, der Betriebswirtschaftslehre und auch aus dem Querschnittsthema Nachhaltigkeit. “Mit durchaus ungewöhnlichen und sehr kreativen Lösungsideen, die erst im Rahmen dieses Prozesses gedeihen konnten”, betont der Professor.

 

Wegweiser zur Selbstwirksamkeit

Eine weitere Methode Buchners ist der sogenannte innere Kompass. “Ein Empowerment der Studierenden, durch das sie Orientierung in komplexen Situationen erhalten und achtsamere Entscheidungen treffen können”, so der Professor. Damit gelingt es Studierenden, ihr Wertempfinden und ihre Ziele in ihre Entscheidungsfindung einzubeziehen. Und: Ein stabil funktionierender innerer Kompass steigert das Selbstwertgefühl, egal, ob es um die Wahl der Lieblingseissorte oder des passenden Studienfachs geht oder gar um die Entscheidung für einen individuellen Zukunftstraum.

Wer sich dank eines ausgeprägten inneren Wegweisers mit Entscheidungen leicht tut, entwickelt zudem eine gute Selbstwirksamkeit. “Die Studierenden bekommen das Gefühl, ihre Ziele wirklich erreichen zu können, weil sie auf ihr inneres Fundament vertrauen”, weiß Buchner und ergänzt: “In meiner über 20-jährigen Lehrerfahrung und meinen Projekten zur Erforschung der Kreativität ist mir klar geworden, dass wir in Zukunft Kompetenzen brauchen, die wir momentan in unserem Bildungssystem nicht vermitteln: transformative Zukunftskompetenzen.” Mit seinen Methoden der transformativen Bildung setzt Buchner auf inneres Wachstum und Reife der Studierenden – was sie letztlich auch zum Mitwirken an einem äußeren gesellschaftlichen Wandel führen soll.

 

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