Die Bank für Kirche und Caritas eG (BKC) aus Paderborn hat ihren Nachhaltigkeitskriterienfilter für Investments in Unternehmen aktualisiert und hierbei nicht nur neue Ausschlusskriterien aufgenommen, sondern auch bestehende Ausschlusskriterien strenger und konkreter als bisher gefasst. Der Nachhaltigkeitskriterienfilter, als das Herzstück der BKC-Nachhaltigkeitsstrategie, steht bei der Bank in regelmäßigen Abständen auf dem Prüfstand und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Die neuerliche Überarbeitung ist dabei Abbild der gewachsenen Qualitätsansprüche an nachhaltige Geldanlagen ihrer Kunden und der Entwicklungen, die sich aus dem Nachhaltigkeitsdiskurs in Gesellschaft und Kirche ergeben.

Einstieg in den Kohleausstieg

Die Kirchenbank aus Paderborn gehört nicht nur zu den Vorreitern auf dem Markt für ethisch-nachhaltige Geldanlagen, sondern versteht sich auch als Treiber in der Nachhaltigkeitsdebatte. Deshalb finden sich unter den neu aufgenommenen Ausschlusskriterien für Unternehmen Themen wieder wie die Förderung von Kraftwerkskohle oder die Umsatzgenerierung mit Ölsanden und Ölschiefer. Hierbei reiht sich die BKC in die Riege der Investoren ein, die sich der sogenannten „Divestment Kampagne“ angeschlossen haben. Bei dieser Divestment-Bewegung verpflichten sich Investoren, wie der norwegische Pensionsfonds oder die Rockefeller Stiftung, ihr Geld stückweise aus fossilen Energien, vor allem aus Kohle abzuziehen. Diese internationale Entwicklung ist für die katholische Kirchenbank nicht nur Ausdruck dem Klimaschutz „global denkend“ zu begegnen, sondern auch des gestiegenen Bewusstseins, als Investor Einfluss auf eine ethisch-nachhaltige Wirtschaftsweise zu haben, getrieben. Die BKC sieht sich in ihrer Ansicht zum Klimaschutz und damit zur Erweiterung ihrer Ausschlusskriterien auch durch die viel beachtete Enzyklika „Laudato Si'“ von Papst Franziskus bestätigt. Hierin wird unter anderem die Notwendigkeit der Bekämpfung des Klimawandels aufgrund seiner negativen ökologischen wie sozialen Auswirkungen intensiv thematisiert.

Rendite-Risiko-Abwägungen immer dabei

Die katholische Kirchenbank übersetzt durch ihre ethisch-nachhaltige Anlagestrategie ihre christliche Wertorientierung in einen integralen Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Darüber hinaus verfolgt sie mit ihrer nachhaltigen Anlagestrategie das Ziel, die Risiken am Kapitalmarkt für sich und ihre Kunden zu minimieren und die sich ergebenden Renditechancen langfristig zu nutzen. So begleitet die Bank bei der Erarbeitung des Nachhaltigkeitskriterienfilters immer auch der Blick auf die Rendite-Risiko-Wirkung einzelner Kriterien oder Nachhaltigkeitsthemen. Ein Beispiel für dieses Vorgehen gibt Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch bei der BKC mit dem neu aufgenommenen Ausschlusskriterium der Kohleförderung: „Neben der reinen Betrachtung des Klimawandels aus einer christlichen Wertehaltung heraus, sehen wir uns bei fossilen Energieträgern und speziell im Bereich der Kohleförderung über kurz oder lang mit Regulierungsrisiken konfrontiert, die wir schon heute in unserer Anlagestrategie minimieren wollen“. Mit dieser Meinung steht der Nachhaltigkeitsexperte nicht alleine, wie ähnliche Aussagen des Gouverneurs der britischen Notenbank Mark Carney zeigen oder auch internationale Initiativen wie die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen beweisen, in denen die beiden Ziele „Bezahlbare und saubere Energie“ sowie „Maßnahmen zum Klimaschutz“ zwei zentrale Aspekte darstellen. „Allzu oft befindet man sich jedoch bei einem Rendite-Risiko-Abwägungsprozess innerhalb der ethisch-nachhaltigen Geldanlage in einem Spannungsfeld von ethisch Gewolltem und finanziell Verantwortbarem“, merkt Dr. Helge Wulsdorf, Leiter Nachhaltige Geldanlage bei der BKC an. Wie sich aber Kapitalmarktansprüche und ethische Wertvorstellungen erfolgreich vereinen lassen zeigt die Kirchenbank nunmehr seit fast eineinhalb Jahrzehnten mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Asset Management sowie der professionellen Beratung über alle Bankprodukte hinweg.

Rundumblick beim Nachhaltigkeitskriterienfilter

Eine sinnvolle nachhaltige Anlagestrategie ergibt sich für die Paderborner Bank aber nicht aus der punktuellen Berücksichtigung einzelner Themen wie beispielsweise dem Klimawandel, sondern aus einem umfänglichen Nachhaltigkeitskriterienfilter. Dieser umfasst neben ökologischen Fragen auch soziale Themen und Bereiche der verantwortungsvollen Unternehmensführung. Deshalb beinhaltet die Filtersystematik der BKC diese drei Bereiche, die auch „ESG“, also Environment, Social und Governance genannt werden. Die von der Bank für Kirche und Caritas aufgestellten Ausschlusskriterien orientieren sich dabei immer am „Menschen“ als ethischem Ausgangs- und Zielpunkt der kirchlichen Sozialverkündigung. Damit stimmt die BKC auch mit der Logik der Orientierungshilfe der Deutschen Bischofskonferenz „Ethisch-nachhaltig investieren“ überein, an der die Bank federführend mitgearbeitet hat. Hierin wird der Mensch als Einzelperson, in der Gesellschaft und mit der Schöpfung als Leitidee der Kriteriengestaltung beschrieben. In der aktuell vorgenommenen Überarbeitung des BKC Nachhaltigkeitskriterienfilters wurden auf Grundlage dieser drei übergeordneten ethischen Leitvorstellungen die Ausschlusskriterien für Unternehmen hiernach eingruppiert.

Zusätzlich zu den bereits erwähnten neu aufgenommenen Ausschlusskriterien, werden aus den Investments der Kirchenbank zukünftig auch Unternehmen ausgeschlossen, die grüne Gentechnik als Geschäftszweig haben, die internationale Arbeitsstandards im Bereich Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz verletzen, die Handfeuerwaffen an die Zivilbevölkerung vertreiben oder die Umsätze mit der Produktion von Atomwaffen oder deren strategischen Bestandteilen erzielen. Ebenso erfolgt keine Investition in Unternehmen die Verstöße gegen Konventionen im Bereich der Geldwäsche sowie der Bestechung und Korruption ohne entsprechende Gegenmaßnahmen haben. Für die BKC steht fest, dass ihr Nachhaltigkeitskriterienfilter fortlaufend auf seine Aktualität hin überprüft werden muss, denn „Nachhaltigkeit ist zwar ein Ziel, aber viel mehr ein Weg an dem kontinuierlich gearbeitet werden muss, um den globalen Nachhaltigkeitsherausforderungen Rechnung zu tragen“, halten die zwei Experten des BKC-Kompetenzzentrums „Nachhaltige Geldanlagen“ fest.

Der komplette BKC-Nachhaltigkeitskriterienfilter und ausführliche Informationen zum Thema nachhaltige Geldanlagen sind auf der bankeigenen Internetseite zu finden www.bkc-paderborn.de/nachhaltige-geldanlage .

 

Der Autor

Tommy Piemonte

Dipl.-Volksw. [FH], VWL-Studium in Nürtingen und Rom, Altstipendiat Cusanuswerk Bischöfliche Studienförderung, mehrfach ausgezeichnete Diplomarbeit u.a. Preisträger des Förderpreises „Nachhaltige Entwicklung“ der Selbach-Umwelt-Stiftung, Ausbildung zum Bankkaufmann, langjährige Tätigkeit im Finanzmarkt u.a. bei der Deutschen Bank als Wertpapierspezialist, über sechsjährige Tätigkeit bei der Nachhaltigkeitsratingagentur imug Beratungsgesellschaft mbH in Hannover u.a. als Leiter der Nachhaltigkeitsratingagentur. Seit 2016 Leiter Nachhaltigkeitsresearch bei der Bank für Kirche und Caritas eG, zudem Gastdozententätigkeit an Hochschulen u.a. Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen sowie zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema nachhaltiges Investment.
Tommy.Piemonte@bkc-paderborn.de

 

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