Innerhalb der 150 größten deutschen Unternehmen ist die Nahrungsmittelindustrie die intransparenteste Branche, wenn es um Menschenrechts-, Arbeits-, Sozial- und Umweltbelange geht. In einem Ranking von CSR- und Nachhaltigkeitsberichten haben das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Unternehmensverband „future – verantwortung unternehmen“ die Nachhaltigkeitsberichte deutscher Großunternehmen bewertet. Die Studie zeigt, dass innerhalb der Branchen große Unterschiede bestehen, sowohl im Anteil der Unternehmen mit Bericht als auch in der Berichtsqualität.

Nur eines der fünf größten deutschen Nahrungsmittelunternehmen mit CSR-Bericht

Während von den Autoherstellern und Banken drei Viertel der Unternehmen überwiegend gut berichten, hüllen sich viele Unternehmen etwa aus der Branche der Medien und Informationsdienstleistungen sowie Versicherungen in Schweigen. Kritik äußerten die Studienautoren auch daran, dass mit dem Deutschen Milchkontor lediglich eines der fünf größten deutschen Nahrungsmittelunternehmen einen eigenständigen CSR-Bericht veröffentlicht.

„Autohersteller und Banken, aber auch die Chemieindustrie, sind Branchen, die schon lange unter kritischer Beobachtung der Öffentlichkeit stehen und daher zahlreich und umfangreich berichten. Auch in der Nahrungsmittelindustrie sollte es im eigenen Interesse der Unternehmen liegen, die Verbraucher darüber zu informieren, unter welchen Bedingungen ihre Lebensmittel produziert werden“, kommentiert Gerd Scholl vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. Während die Oetker-Gruppe, Südzucker und die Tönnies Gruppe zwar in gewissem Umfang andere Wege jenseits eines Nachhaltigkeitsberichtes wählen, um zu informieren, ist die mit der Marke Müllermilch bekannte Unternehmensgruppe Theo Müller das Schlusslicht der Branche: Informationen zur Nachhaltigkeit des Unternehmens? Fehlanzeige.

„Hier sind manche Mittelständler aus der Nahrungsmittelwirtschaft deutlich transparenter“, ergänzt Udo Westermann von future, und nennt als gute Beispiele etwa Unternehmen wie die Brauerei Neumarkter Lammsbräu oder den Biolebensmittelproduzenten und -händler Alnatura. „Ein besonders überzeugendes Vorbild für die Branche liefert der Biopionier Lebensbaum mit seinem Nachhaltigkeitsbericht“, so Westermann.

Verantwortung für Lieferkette: Erst wenige gute Ansätze

Die Studie zeigt, dass Verantwortung und Risiken in der Lieferkette bislang in keiner Branche ausreichend dargestellt werden. So nennen weniger als die Hälfte der Unternehmen ihre wichtigsten Beschaffungen und hinterlegen diese mit Zahlen. Auch Angaben zur regionalen Herkunft der Lieferanten fehlen in vielen Berichten. Wie Unternehmen bei ihren internationalen Zulieferbetrieben etwa Arbeitnehmerstandards oder Umweltwirkungen von gelieferten Produkten thematisieren und mit möglichen Konflikten umgehen, stellen sie nicht ausreichend dar.

Wie es gelingen kann, die Lieferkette aussagekräftig in einem Nachhaltigkeitsbericht abzubilden, zeigen neben einzelnen Großunternehmen auch manche Mittelständler. Diese stammen überwiegend aus der Branche Handel/Textil und hier zeigt sich, dass Brancheninitiativen wie beispielsweise die Fair Wear Foundation (FWF), die Standards für die Branche setzt und überprüft, die Berichterstattung unterstützen können. So berichtet zum Beispiel Vaude transparent über die langfristigen Beziehungen zu Produzenten und die Überwachung durch Audits in Zusammenarbeit mit der FWF. Adidas legt in seinem Bericht alle Lieferanten offen, direkte sowie Sublieferanten und Lizenznehmer. Das Handelsunternehmen Otto liefert quantitative Angaben zu ökologischen Schadwirkungen und sozialen Risiken in der Kette und gibt Auskunft über Sozialprogramme für Zulieferer in Risikoländern. Das Textilunternehmen Hess Natur stellt ebenfalls die Ergebnisse von Lieferanten-Audits dar. Insgesamt enthalten nur 33 Prozent der Berichte von Großunternehmen und 20 Prozent der KMU-Berichte Zahlenangaben zu in der Lieferkette durchgeführten Audits.

Die Studie „Das Ranking der Nachhaltigkeitsberichte 2015 – Ergebnisse, Trends und Branchenauswertungen“ wurde unterstützt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Sie steht online auf www.ranking-nachhaltigkeitsberichte.de zum Download bereit. Sie stellt detailliert den Umfang der Berichterstattung und die Analyse der vorliegenden Berichte je Branche dar.

In dem Ranking wurden im vergangenen Jahr die Großunternehmen BMW, Miele und die KfW-Bankengruppe sowie die kleinen und mittleren Unternehmen Lebensbaum, Vaude sowie Rinn Beton- und Naturstein für die besten Nachhaltigkeitsberichte deutscher Unternehmen im Bundesarbeitsministerium in Berlin ausgezeichnet.

 

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Ein Kommentar
  1. Interessant, dass vor allem Nahrungsmittelhersteller und Medien in Kritik stehen. Das sind schließlich die Branchen, die dafür zuständig sind, was wir essen und was wir lesen. Da sollte etwas mehr Transparenz gut tun.

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