Erwartungen des Wuppertal Instituts an die Weltklimakonferenz in Madrid

Vom 2. bis 13. Dezember 2019 findet in Madrid die 25. Weltklimakonferenz statt. Im Zentrum steht die Frage, wie der Ehrgeiz der Klimaschutzbeiträge der einzelnen Staaten erhöht werden kann. Außerdem soll die Konferenz die Detailregeln vereinbaren, die noch zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens fehlen. Das Wuppertal Institut beobachtet kontinuierlich seit Beginn des UN-Klimaprozesses die laufenden Verhandlungen und analysiert die Ergebnisse. In begleitenden Veranstaltungen auf der COP stellt es seine Forschung vor und diskutiert konkrete Wege für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens.

Im Dezember blickt die Welt nach Madrid, wenn dort die 25. Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, kurz COP) der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) stattfindet. Rund 30.000 Menschen aus Politik, Nichtregierungsorganisationen sowie Akteurinnen und Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft werden zu der Klimakonferenz erwartet.

Mit dem Pariser Klimaabkommen hat sich die internationale Gemeinschaft 2015 das Ziel gesetzt, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, und Anstrengungen zu unternehmen, ihn sogar unter 1,5 Grad Celsius zu halten. Mit den bisher gemachten Zusagen der Staaten, den nationalen festgelegten Beiträge – Nationally Determined Contributions (NDCs) genannt, würde die Erderwärmung aber voraussichtlich 3 bis 4 Grad Celsius betragen. Nach den Regeln des Pariser Übereinkommens sollen die Staaten bis 2020 neue oder überarbeitete Beiträge vorlegen.

 

Paris umsetzen heißt Ehrgeiz erhöhen

„Aus Madrid muss ein starkes Signal gesendet werden, beim Klimaschutz deutlich ehrgeiziger sein zu wollen“, betont Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts, und ergänzt: „Am besten wäre es, wenn möglichst viele Staaten bereits in Madrid konkrete Ankündigungen auf den Tisch legen würden und ihre Ambitionen erhöhen. Mindestens aber brauchen wir einen klaren Auftrag an die Staaten, im nächsten Jahr deutlich verbesserte Beiträge vorzulegen. Damit bis zur nächsten Konferenz in Glasgow im November 2020 schon eine erste globale Bewertung stattfinden kann, müssen alle Beiträge bis spätestens zur Mitte des nächsten Jahres vorgelegt werden. Aktuell bewegt sich die Staatengemeinschaft noch deutlich in die falsche Richtung. Erst kürzlich wurden für die G20-Staaten die Emissionsbilanzen für das Jahr 2018 vorgelegt, danach sind die CO2-Emissionen von 2017 bis 2018 nicht gesunken, sondern sogar um 1,8 Prozent gestiegen.“

Von zentraler Bedeutung ist, dass die Konferenz explizit die aktuellen Sonderberichte des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) zum Maßstab für die Beiträge der Staaten macht. „Die Messlatte ist klar: Die globalen CO2-Emissionen müssen bis 2050 auf Null sinken und bis 2030 halbiert werden, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Die Staaten müssen daher ihre kurzfristigen Beiträge deutlich erhöhen. Außerdem sollten sie langfristige Strategien zur Erreichung des Null-Emissions-Ziels entwickeln und mit einem klaren Fahrplan versehen. In Industrieländern wie Deutschland sollten wir dieses Ziel unter Berücksichtigung der historischen Verantwortung schon vor 2050 erreichen, um den Zielen des Pariser Klimaabkommens gerecht zu werden“, erläutert Fischedick.

 

Verhandlung des „Kleingedruckten“

Eine weitere Herausforderung in Madrid wird sein, das detaillierte Regelwerk zum Pariser Abkommen zu vervollständigen. Die letztjährige Konferenz in Katowice, Polen, hatte bereits Regeln zu den meisten Aspekten des Abkommens verabschiedet. Offen geblieben war aber die Ausgestaltung der Kooperationsmechanismen unter Artikel 6 des Abkommens. Diese Mechanismen sollen es den Staaten erlauben, bei der Umsetzung ihrer Beiträge zusammenzuarbeiten und Emissionsminderungen zu transferieren. Darüber hinaus muss auch noch weiter ausbuchstabiert werden, wie die Staaten über die Umsetzung ihrer Beiträge berichten sollen.

„Wie bei jedem Vertrag ist das Kleingedruckte von entscheidender Bedeutung“, betont Wolfgang Obergassel, Co-Leiter des Forschungsbereichs Internationale Klimapolitik in der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut. „Die Umsetzungsregeln für Artikel 6 müssen sicherstellen, dass nur ehrgeizige Maßnahmen unter Artikel 6 gefördert werden und keine Schlupflöcher entstehen. Insbesondere muss vermieden werden, dass sowohl die Gastgeberstaaten der konkreten Maßnahmen als auch die ausländischen Investoren sich dieselben Minderungen anrechnen können. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass die Nutzung von Artikel 6 zu einer Stärkung der Klimaschutzbeiträge führt, anstatt dass nur Minderungen von einem Land ins andere verschoben werden. Zudem sollte die Konferenz Mindeststandards zur Vermeidung negativer sozialer und ökologischer Auswirkungen der Klimaschutzmaßnahmen vereinbaren“, sagt Obergassel.

Darüber hinaus wird der Umgang mit klimawandelbedingten Schäden und Verlusten, sogenannte Loss and Damage, bei den Klimaverhandlungen von Madrid erneut ein zentrales Thema sein. Entwicklungsländer, die von den negativen Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen sind, benötigen externe Unterstützung, um die zu erwartenden Schäden zu bewerten, Gegenmaßnahmen zu treffen und bereits eingetretene Folgen des Klimawandels zu bewältigen. Mit dem Ziel, besonders verwundbare Entwicklungsländer hierbei zu unterstützen, wurde im Jahr 2013 der Warsaw International Mechanism for Loss and Damage (WIM) eingerichtet. Auf der Klimakonferenz in Madrid soll überprüft werden, inwieweit dieser Mechanismus eine effektive Unterstützung für verwundbare Länder darstellt oder verbessert werden muss. Dabei steht insbesondere eine verbesserte Bereitstellung von Finanzmitteln im Mittelpunkt der Diskussionen.

 

Wuppertal Institut setzt mit Sideevents Zukunftsimpulse

Das Wuppertal Institut organisiert bei der COP25 eine Reihe von Sideevents, um seine Forschungsarbeiten und Erkenntnisse vorzustellen und Diskussionen mit Delegierten und Praxispartnern anzuregen. Die Sideevents reflektieren Themen, die in Madrid verhandelt werden. Daneben soll diskutiert werden, wie die Emissionsminderung und nachhaltige Entwicklung in der Praxis voran gebracht werden können. Schwerpunkte liegen dabei auf „Klimaschutz in der Industrie“ sowie „Wege zu einer nachhaltigen Mobilität“.

 

Analyse der Konferenzergebnisse

Das Wuppertal Institut veröffentlicht kurz nach Abschluss der Konferenz eine erste Bewertung der Ergebnisse. Ein ausführlicher Analysebericht folgt im Januar 2020. Weitere Informationen zur COP25 sind in den nachfolgenden Links zu finden.

 

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