Die Automobilbranche steht im beginnenden Jahrzehnt vor einschneidenden Veränderungen. Getrieben durch Digitalisierung & Klimawandel entwickeln ungezählte Start-Ups emissionsarme Fahrzeuge, egal ob ein- oder zweispurig – Autohäuser werden von diesen ressourcenschonenden Fortbewegungsarten wenig profitieren. Beschleunigt durch Corona-Krise & Urbanisierung ist der europäische Autoabsatz zudem bereits im Jahr 2020 um 30 Prozent eingebrochen. Ein branchenweit steigender Online-Vertrieb reduziert die Bedeutung & Einnahmen aller Autohäuser weiter. VW weist mit seinem “Agenturmodell” für die ID-Reihe diesen Weg. Sind Autohäuser durch die Einführung von Wartungsarbeiten als Download wie im Tesla also bald ganz überflüssig? Diese Revolution überleben nur die Gestalter des Wandels. Autohäuser müssen dafür zu Multiplikatoren der Verkehrswende werden.

Lassen Sie mich dafür hier kurz einen ebenso spannenden wie abenteuerlichen Weg skizzieren, den wir an unserem traditionsreichen Berliner Autohaus beginnen lassen wollen, dessen Wurzeln bis in die Trabant-Ära der DDR-Zeit zurückreichen

Autohäuser sind die Gatekeeper der Verkehrswende. Zusammen mit freien Werkstätten verfügen Autohäuser in der Fläche über die ausdifferenzierteste Struktur aller Mobilitätsdienstleister.

Soll die Mehrheitsgesellschaft in ihrem Mobilitätsverhalten erreicht werden – zumal in ländlichen Einzugsgebieten, sind Autohäuser die unerlässlichen Gestalter der Verkehrswende. Sie verfügen vor allem bei lokalen Stakeholdern oft über ein hohes Maß an Vertrauenskapital, die Werkstattmeisterin ist oft Respektsperson. Hier werden Autofahrer:innen direkt vor Ort erreicht. Die notwendige Überzeugungsarbeit für Intermodalität kann flächendeckend nur hier geleistet werden. Dafür ist ein Paradigmenwechsel notwendig:

Als zentraler Multiplikator für Individualmobilität müssen Werkstätten flächendeckend befähigt werden, Autofahrer:innen innovative, nachhaltige und lokal passende Lösungen für ihre jeweiligen Mobilitätsbedürfnisse anzubieten. Wo Autohäuser zu Knotenpunkten einer neuen Mobilitätskultur werden sollen, verlassen sie bewährte Pfade Ihrer Wertschöpfungsketten und adaptieren Logiken des Dritten Sektors.

Als Intermediär zwischen Markt, Staat und Zivilgesellschaft könn(t)en Autohäuser das Potential der Verkehrswende voll ausschöpfen. So wenig diese kooperative Arbeits- und Denkweise in der Kfz-Branche bislang verbreitet ist, wird es genau auf diese vermittelnden Eigenschaften ankommen, um möglichst viele Menschen auf dem Weg in eine neue Mobilitätskultur mitzunehmen.

Würden sich Autohäuser in diesem Sinne zu einem innovativen Netzwerk von Change Makern zusammenschließen, gleichsam zu einem offenen Ökosystem für Zukunftsmobilität, würden sie zu Verkehrswende-Lobbyisten, weil sie sich dadurch zunächst selber als Corporate Citizen neu erfinden würden, um danach sukzessive Ihr Markteinzugsgebiet zu transformieren. Dafür sind drei generelle Zielgruppen zu unterscheiden:

Zielgruppe 1 umfasst alle Endkunden;
Zielgruppe 2 umfasst alle Branchenkollegen;
Zielgruppe 3 umfasst alle Bildungsträger.

Als Inhaberfamilie in zweiter Generation einer kleinen Autohaus-Gruppe im Berliner Norden ist es unser Ziel, entlang dieser Stakeholderkreise den Weg für die Transformation von Autohäusern zu sogenannten Mobilitätshäusern vorzubereiten, um als lokales Beispiel zunächst Wege in eine andere Autokultur aufzuzeigen und dann bundes- vielleicht auch weltweit auszurollen. Dafür haben wir die Chancen der wirtschaftlichen Pandemieverwerfungen genutzt und im Frühjahr 2021 die Mobilitätshaus GmbH gegründet.

Das Herzstück dieser Transformation zum Mobilitätshaus ist die ganzheitliche Mobilitätsberatung.

Die breite Nutzbarmachung von vollelektrischen Autos ist sicher nur der erste Schritt zur Verkehrswende, aber der Informationsbedarf rund um den Wechsel der Antriebsart ist genauso beratungsintensiv wie eine ganzheitlich gedachte Intermodalität selber. Daher stellt das Mobilitätshaus die folgenden 10 Bausteine einer ganzheitlichen Mobilitätsberatung zur Verfügung und macht diese der gesamten Branche zugänglich – alle Bausteine verbindet das Ziel, Mobilitätsverhalten zu verändern und neue Wertschöpfungsprozesse im Autohaus zu definieren, zu validieren und letztlich gesamtgesellschaftlich nutzbar zu machen:

(1) Mobilitätsberatung B2C; (2) Mobilitätsberatung B2B; (3) Mobilitätsberatung B2G; (4) Mobilitätsberatung Nonprofits; (5) Mobilitätsberatung Ridepooling; (6) Transformationsberatung Autohausinhaber:innen; (7) Transformationsberatung mittleres Management; (8) Transformationsberatung Autoverkäufer:innen; (9) Transformationsberatung Supply Chain; (10) Energieberatung;

Auf dem Weg in die Zukunft klimafreundlicher Mobilitätskombinationen sind Hürden abzubauen, ist Wissen zu schaffen und gemeinsam Überzeugungsarbeit zu leisten. Ausgehend von unserem Mobilitätshaus-Markenkern, den Nachhaltigkeitsdialog zu stärken, Expertisen zu vermitteln, Transparenz zu schaffen und unterschiedliche Akteure an einen Tisch zu bringen, wird aus den definierten Bausteinen sukzessive ein überregional nutzbares Informationsportal als OFFENES ÖKOSYSTEM FÜR INTERMODALITÄT in Autohäusern entwickelt.

 

Herzliche Einladung zur Eröffnung am 17.09.2021

Zur Eröffnung des Mobilitätshauses im Boxhagener Kiez laden wir am 17.09.21 ab 16 Uhr herzlich in die Frankfurter Allee 34 in Berlin-Friedrichshain zu einem spannenden hybriden online und offline Programm mit Impulsen und Diskussionen, Probefahrten und spannenden neuen Mobilitätsprodukten ein oder alternativ von 17 – 18 Uhr online zum Livestream. Erleben Sie einen spannenden und unterhaltsamen Nachmittag und erfahren Sie mehr zur Zukunft der urbanen nachhaltigen Mobilität und der Rolle von Auto- und Mobilitätshäusern in der Verkehrswende – wir freuen uns auf Sie!

Zu weiteren Informationen und kostenfreien Tickets gelangen Sie hier.

 

Der Autor

Dr. Christoph Golbeck

Dr. Christoph Golbeck ist Politikwissenschaftler, Familienunternehmer in zweiter Generation (Autohaus Golbeck GmbH), Co-Gründer der Mobilitätshaus GmbH und als Vorsitzender des Unternehmen Verantwortung Gesellschaft e. V. Herausgeber von CSR NEWS.

 

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