UN-Berater Prof. Jeffrey Sachs präsentiert auf der Konferenz „Freiheit-Ordnung-Führung“ am Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik seine Ideen für ein nachhaltiges Führungsverständnis.

Rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft waren am 6. November der Einladung zur Konferenz „Freiheit – Ordnung – Führung: Orientierungen für verantwortliches Wirtschaften“ in die Leucorea nach Wittenberg gefolgt. Veranstalter des Dialogs waren das WZGE und der Caux Round Table, ein internationales Unternehmensnetzwerk für verantwortliches Wirtschaften.

Der weltweit renommierte Ökonom und UN-Sonderberater Prof. Jeffrey Sachs schlug in seiner Keynote die Brücke von der Reformation zur globalen Agenda 2030. Anknüpfend an Luther hob er dabei die Kraft von Ideen hervor: „Die globalen Nachhaltigkeitsziele sind zwar bloß Worte. Aber für die geteilten Herausforderungen muss die Welt zunächst einmal eine gemeinsame Sprache finden.“ Erst dann könnten sich Regierungen auf Lösungsansätze verständigen. In seinem engagiert vorgetragenen Statement warb Sachs für einen „moralischen Kapitalismus“ und übte deutliche Kritik am amerikanischen Präsidenten.

Prof. Peter Schallenberg von der katholischen Fakultät Paderborn, der von Peter Kardinal Turkson kurzfristig als Vertretung entsandt worden war, betonte in seinem Eröffnungsstatement den Zusammenhang von „Halt, Haltung und Vertrauen“ als Voraussetzung für eine menschendienliche Wirtschaft. Irene Plank, Referatsleiterin „Wirtschaft und Menschenrechte“ im Auswärtigen Amt, gewährte einen Einblick in den „Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Prinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte.“ Danach skizzierte Prof. Klaus Leisinger, Präsident der Global Values Alliance und langjähriger Vorsitzender der Novartis-Foundation, die Rolle von global agierenden Unternehmen als „Change Agents“ für eine nachhaltige Weltgesellschaft. In der anschließenden Diskussion, moderiert durch den WZGE-Vorstandsvorsitzenden Dr. Martin von Broock, ging es um die Frage, wie die dargelegten Ideen in konkretes Handeln übersetzt werden können, und welche Konflikte dabei zu überwinden sind.

Der Nachmittag stand im Zeichen praktischer Orientierungen. Prof. Andreas Suchanek, WZGE-Vorstandsmitglied, präsentierte das Konzept für den „Ethischen Kompass für gute Führung“, dessen Grundprinzip „Do no harm“ konkretisiert wird mit den Elementen Freiheit, Einbettung, Respekt und Selbstbegrenzung.

Catherine Young vom Think Tank Oxford Analytica stellte den „Corporate Stewardship Compass“ vor. Zum Abschluss sprach Steven Young, Vorsitzender des Caux Round Table, zum Thema „Effective Stakeholder Engagement and Effective Personal Leadership“. In der anschließenden Diskussion, lag der Schwerpunkt auf dem erfolgreichen Einsatz von Führungsinstrumenten in der Praxis.

Bereits am Vorabend der Konferenz hatten Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff, der niedersächsische Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Ralf Meister sowie Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alten Rathaus auf das Thema eingestimmt.

Die Konferenz bildetet den Abschluss des Programms „Freiheit, Ordnung, Führung“, welches das WZGE mit finanzieller Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages im Reformationsjahr durchgeführt hat: In zahlreichen Konferenzen, Workshops und Summerschools mit mehr als 250 Entscheidern und Nachwuchskräften wurden Ideen für einen „Ethischen Kompass für gute Führung“ zusammengetragen. Zu den Impulsgebern zählen unter anderem die stellvertretende IG BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer, der BASF-Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Jürgen Hambrecht sowie der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Prof. Wolfgang Huber.

 

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