Am 3. November 2016 kamen in Potsdam rund 80 Verantwortliche der Mitglieds- und Partnerorganisationen von SDSN Germany sowie Wegbegleiter und Interessierte zur 3. Deutschen SDSN-Versammlung beim Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) zusammen.

Als neue Mitgliedsorganisationen begrüßt wurden das Internationale Zentrum für Nachhaltige Entwicklung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (IZNE), der Fachbereich für Entwicklungsökonomik der Universität Göttingen sowie der Fachbereich für Internationalen Städtebau der Universität Stuttgart.

Unmittelbar vor der Versammlung hatte der neugewählte Lenkungsausschuss Prof. Dirk Messner (DIE) und Prof. Gesine Schwan (Humboldt-Viadrina Governance Platform) für weitere zwei Jahre als Co-Vorsitzende bestätigt. Die Vorsitzenden dankten Ulrike Schell (Verbraucherzentrale NRW) und Prof. Klaus Töpfer (Bundesminister a.D.), die beide aus persönlichen Gründen nicht mehr für den Lenkungsausschuss zur Verfügung standen, herzlich für ihre Mitarbeit. Beide hätten das Netzwerk als wichtige Wegbegleiter mitgeprägt und wollten ihm weiter verbunden bleiben. Als neugewähltes Mitglied des Lenkungsausschusses wurde Prof. Mark Lawrence (IASS) begrüßt.

Adolf Kloke-Lesch (SDSN Germany) stellte die Entwicklung von SDSN als Mit-Mach-Netzwerk im nationalen und internationalen Kontext vor. Die inzwischen sechzehn deutschen Mitglieds- und neun Partnerorganisationen richteten ihre je eigene Arbeit immer deutlicher an 2030 Agenda und Pariser Klimaabkommen aus und nutzten das Netzwerk für Anregungen. Darauf aufbauend sei eine ganze Reihe von Kooperationen sowohl in Deutschland als auch im globalen SDSN entstanden. SDSN Germany als Netzwerk ermögliche und fördere dieses Zusammenwirken, beteilige sich durch Stellungnahmen und Gespräche an der deutschen, europäischen und globalen Debatte, und biete Plattformen des Dialogs zwischen unterschiedlichen „communities“ in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.

Die von Klaus Milke (Germanwatch) moderierte erste Gesprächsrunde widmete sich der Frage „2030 Agenda und SDGs: Leitmotiv für den deutschen G20-Vorsitz?“. Prof. Patrizia Nanz (IASS) begrüßte eine Zunahme an Ernsthaftigkeit in der Befassung mit den SDGs in der G20. Umsetzung sei aber nur durch Konkretisierung vor Ort, Transformation nur durch Partizipation möglich. Prof. Dirk Messner mahnte an, dass die G20 trotz großer Konfliktlinien zu einem Umsetzungsmotor von 2030 Agenda und Paris Abkommen werden müsse. Die Think 20 (T20) böten auch für SDSN Möglichkeiten, dies durch konkrete Politikempfehlungen zu unterstützen. Oliver Wieck (ICC Germany) betonte, dass sich auch die Wirtschaft hier stets als Partner gesehen habe und dies auch im Kontext von Business 20 (B20) deutlicher werde.

Die Rolle der G20 bei 2030 Agenda und Paris Abkommen, so Oliver Wieck weiter, liege nicht nur in der Förderung nationaler Umsetzung, sondern auch international in der Schaffung eines level playing field. Es wurde deutlich, dass der deutsche G20-Vorsitz in 2017 die sich bietenden Optionen und Chancen zur Umsetzung von 2030 Agenda und Pariser Abkommen zügig und kraftvoll ergreifen müsse. Dafür sollte die Bundesregierung eine ambitionierte Agenda liefern, die an den Gipfel in Hangzhou/China anknüpft (z.B. G20 Action Plan on the 2030 Agenda, „Green Finance“) und Signale der Kontinuität für die nächsten Vorsitze (Argentinien und Indien) gibt. Dies sollte auch in einer mit dem globalen SDSN zu entwickelnden Position zum G20 Gipfel Anfang 2017 in Hamburg zum Ausdruck kommen.

Im Anschluss wurden in drei Netz-Werkstätten Schwerpunkte gemeinsamer SDSN-Initiativen beraten, die von den jeweils Beteiligten in den nächsten Wochen weiter konkretisiert oder geprüft werden.

In der Netz-Werkstatt „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmustern“ standen drei Kooperationsinitiativen im Mittelpunkt: (1.) Die Weiterentwicklung des „SDG Index and Dashboard“, um internationale Effekte von Konsum- und Produktionsmustern (spill-over effects) besser abzubilden. (2.) Die Mitwirkung im Projekt „The World in 2050“, das auf Basis analytischer Modelle und eines wissenschaftlichen Verständnisses von Wechselwirkungen einzelner SDGs einen integrierten Pfad nachhaltiger Entwicklung im Vergleich zu einem business-as-usual Szenario aufzeigen soll. (3.) Erarbeitung eines „SDG-Voyager“ mit konkreten Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Organisationen, die sich in ihrem Kerngeschäft an den SDGs orientieren möchten.

Die Netz-Werkstatt „Dekarbonisierung“ beriet nächste Schritte zu zwei Kooperationsinitiativen:

(1.)  Entwicklung und> Begleitung unternehmerischer Dekarbonisierungsstrategien, die die Lösungskompetenz von Unternehmen in den Mittelpunkt stellen. (2.) Entwicklung einer SDSN Initiative im G20/T20-Prozess, die sich klar zu Dekarbonisierungsstrategien positioniert und den Kohleausstieg voranbringt. Beide Initiativen, so wurde betont, müssten sich auch mit der Frage von Gewinnern und Verlierern sowie Strategien u.a. zur Finanzierung des Übergangs befassen.

Die Netz-Werkstatt „Kooperationsinkubator“ erörtert drei mögliche Initiativen: (1.) Entwicklung eines Projekts zu Kultur, Ästhetik und Nachhaltigkeit, um in der Gesellschaft zu einer positiv besetzten, gesellschaftlich relevanten und lebensfrohen Vision der SDGs beizutragen. (2.) Nutzung bzw. Schaffung von Räumen, in denen sich Gesellschaft und Wissenschaft zu Anliegen nachhaltiger Entwicklung begegnen können. (3.) Stärkung der Rolle von Nachhaltigkeitswissenschaft innerhalb der Universitäten, um dort SDGs und Transdisziplinarität zum Tragen zu bringen. Ferner warben viele dafür, die sozial Dimension und die städtische Ebene mehr in den Blick zu nehmen.

Die von Alexander Carius (adelphi und Initiative Offene Gesellschaft) moderierte abschließende Gesprächsrunde widmete sich der Frage, inwiefern die SDGs Impulse für die Gesellschaftspolitik geben können. Prof. Joachim Fetzer (DNWE) wies darauf hin, dass die SDGs nicht nur „Umsetzungsmotoren“ bräuchten, sondern auch eine bisher noch nicht geführte Diskussion ihrer gesellschaftspolitischen Bedeutung. Dabei könne man an ältere Diskurse vor 2015 anschließen.

Viktor Haase (Umweltministerium NRW) zeigte auf, wie die NRW-Nachhaltigkeitsstrategie sowohl im direkten Bezug auf die SDGs als auch im engen Dialog mit den gesellschaftlichen Akteuren entstanden sei. Er unterstrich für die Zukunft insbesondere auch die Rolle von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Prof. Gesine Schwan warnte vor einer technokratischen Verengung des Nachhaltigkeitsdiskurses z.B. auf Indikatoren oder Technologien und warb für eine lebendige demokratische Gemeinwohldebatte, die vom Respekt für die Würde auch ganz anders Denkender geprägt sein müsse.

Betont wurde, wie wichtig in der Gesellschaft der Umgang mit Ängsten gegenüber Veränderung und Neuem sei und wie diesen und ihren Ursachen richtig begegnet werden könne. Es würden Lösungen gebraucht, die zu Verständigung beitrügen und in den sozialen Wirklichkeiten der Menschen ankämen.

Nächste Schritte von SDSN Germany zu diesem Thema sollten auch Akteure aus ganz anderen Bereichen wie Gewerkschaften, Unternehmen, Jugend- und Sozialverbänden sowie Kommunikationsfachleute einbeziehen. Es wurde deutlich, dass das „leave no one behind“ der 2030 Agenda gesellschaftspolitisch auch in Deutschland ganz konkret Relevanz habe.

 

Der Bericht wurde vom SDSN Germany Secretariat zur Verfügung gestellt

 

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