Seit über zehn Jahren verfolgt der Wuppertaler Think und Do Tank CSCP (Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production) das Ziel, Nachhaltigkeit von der Nische in den Massenmarkt zu bringen. Das Centre ist sehr international aufgestellt und arbeitet zum Beispiel in Kenia, China, aber auch in NRW an dieser Herausforderung. Um das innovative Potenzial von Start-ups zu mobilisieren und sozial-ökologische Verantwortung früh in den Geschäftsmodellen junger Unternehmen zu verankern, hat sich das CSCP mit Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) zusammengetan. BAND ist Sprecher der Business Angels und ihrer Netzwerke gegenüber Politik und Öffentlichkeit und vertritt im Interesse junger innovativer Unternehmen die Belange der Business Angels. Im CSR Hub NRW (www.csrhub-nrw.de) bündeln beide Organisationen ihr Wissen rund um Corporate Social Responsibility, Unternehmensgründung und Frühphasenfinanzierung. Das CSR Hub wird von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen gefördert und stellt Start-ups seine Expertise kostenlos zur Verfügung.

Die Zielsetzung des CSR Hub NRW ist die Entwicklung praxisnaher Kompetenzen im Bereich Corporate Social Responsibility für Start-ups und junge Unternehmen in Nordrhein-Westfalen. Unternehmerinnen und Unternehmer sollen so befähigt werden, ihr Geschäftsmodell zu reflektieren und weiter zu entwickeln, um dem steigenden gesellschaftlichen Bewusstsein für soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Zusätzlich sollen Kapitalgeber und Beratungsstellen für die Vorteile und Stärken der unternehmerischen Verantwortung sensibilisiert werden, um die Generierung von innovativen Geschäftsmodellen zu fördern.

 

Informationsformate des csr hub nrw

Das Angebot des CSR Hub NRW umfasst drei Säulen, die ein ganzheitliches Konzept von sozial-ökologischer Verantwortung stützen:

  • In einem jährlichen Workshop-Zyklus mit vier eintägigen Workshops zu unterschiedlichen Aspekten der Corporate Social Responsibility wird ein grundsätzliches Verständnis unternehmerischer Verantwortung vermittelt und der gegenseitige Erfahrungsaustausch der teilnehmenden Unternehmen gefördert.
  • Eine permanente Anlauf- und Kompetenzstelle am CSCP in Wuppertal bietet eine weitere spontane Informationsmöglichkeit für junge Unternehmen
  • Über die sich im Aufbau befindliche Online-Plattform des CSR Hub, die als virtuelles Netzwerk für Start-ups, Förderer, Investoren und Kooperationspartner fungiert, werden Workshopinhalte und Übungen bereit gestellt, um die erlernten Inhalte zu vertiefen oder individuell zu erarbeiten

Der Workshop-Zyklus startet mit einem CSR-Grundlagen Workshop, der den Teilnehmern eine Einführung in den Business Case Nachhaltigkeit gibt und aufzeigt, wie eine erfolgreiche CSR-Strategie entwickelt und implementiert werden kann. Zusätzlich werden die wichtigsten Anspruchsgruppen für Start-ups in einer interaktiven Übung erarbeitet. Ergänzend dazu stehen weitere Module zur Vertiefung der folgenden Themenbereiche angeboten:

Quelle: CSR Hub NRW

  • Marketing und Kommunikation: Ob und wie man über unternehmerische Verantwortung kommuniziert, kann ein zweischneidiges Schwert sein. Es ist eine vertane Chance, wenn ein Unternehmen sich nicht am Markt durch besonderes Engagement zu differenzieren versucht. Wählt es die falschen Kommunikationsmittel und -kanäle kann es jedoch passieren, dass die erzielten Fortschritte als bloßes Greenwashing wahrgenommen werden. Hier gilt es zu differenzieren und die richtigen Kommunikationstechniken und Adressaten zu wählen.
  • Lieferkettenmanagement: Die Transparenz der Lieferkette ist ein stetig an Bedeutung zunehmendes Thema. War bei der Erstellung eines Produktes Kinderarbeit im Spiel? Sind die gezahlten Löhne der Arbeiter im Ausland fair? Wird bei der Fertigung der Produkte auf Umweltverträglichkeit geachtet? Zu diesen Fragen gibt es mehr als eine Antwort und einen ganzen Dschungel von Labels und Zertifizierungen. Bevor man sich in das Dickicht der eigenen Lieferkette begibt, gilt es zu identifizieren, wo die Probleme (HotSpots) liegen können und wo man für Verbesserungen am besten ansetzt.
  • Attraktiver Arbeitgeber Start-up: Motivierte Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource für ein erfolgreiches Unternehmen. Untersuchungen zeigen regelmäßig, wie wichtig es für die Beschäftigten ist, dass sie sich mit ihrer Arbeit identifizieren können und den Mehrwert ihres Tuns selber erkennen. Dies gilt insbesondere für positive ökologische und soziale Effekte. Aber auch Weiterbildungen, Wertschätzung und Entwicklungsmöglichkeiten sind ein wichtiger Baustein für ein effizientes und erfolgreiches Personalmanagement – gerade wenn es um die viel zitierte „Generation Y“ geht.

 

Tipps für die Start-up Finanzierung

An jedem Workshop nimmt ein Vertreter von Business Angel Netzwerk Deutschland e.V. teil, um die Perspektive von Finanzierungspartnern vorzustellen. Der deutsche Business Angels Markt ist bunt und vielfältig, weit verzweigt und heterogen. Damit ist er für Start-ups auf der Suche nach Business Angels Kapital nur schwer zu durchschauen. Darum steht BAND mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um Fragen wie diese geht:

  • Wie tritt man als junges Unternehmen mit einem Business Angel in Kontakt, wie erreicht man den Markt?
  • Welche Fehler sollte man vermeiden?
  • Wie schützt man sich vor Business Devils?

Den Projektpartnern war es bei der Konzeptionierung des CSR Hub NRW wichtig, dass eine möglichst praxisnahe Herangehensweise zur Wissensvermittlung gewählt wird. Darum sind bei jedem Workshop Praxispartner aus der Wirtschaft zugegen, die ihrerseits selber Start-ups sind oder waren und sich mit dem Thema CSR auseinandergesetzt haben. Sie teilen Ihre Erfahrungen und treten mit den Teilnehmern in den Austausch. Unter den Praxispartnern waren bis jetzt Unternehmensvertreter von Fond of Bags (www.fondofbags.com), Great Place to Work (www.greatplacetowork.de) und Emmas Enkel (www.emmas-enkel.de).

Die Zusammensetzung der an Veranstaltungen des CSR Hub NRW teilnehmenden Unternehmen bildet ein breites Spektrum von Start-ups ab und eröffnet allen Teilnehmern die Möglichkeit, voneinander zu lernen. Die verschiedensten Stadien der Unternehmensgründung und die innovativen Ideen der teilnehmenden Gründer regen insbesondere während der Übungseinheiten zu Diskussionen an.

 

Die Autoren

Patrick Bottermann

Patrick Bottermann ist Projektmanager am Think und Do Tank CSCP (Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production), der ursprünglich vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und dem Wuppertal Institut für Umwelt, Klima, Energie gegründet wurde. Er ist Experte in den Bereichen CSR, nachhaltiger Geschäftsmodell-Innovation und Stakeholder Management und lehrte u.a. zu Innovation and Change an der European Management School.


Dr. Ute Günther

Dr. Ute Günther ist seit 2001 Vorstand von BAND und in dieser Eigenschaft auch Vice-President von Business Angels Europe (BAE). Sie war in Forschung und Lehre tätig an den Universitäten Bochum, Essen, Trier und Vallendar. Parallel dazu entwickelte sie Infrastrukturprojekte im Bereich Innovation und Qualifizierung, seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend im Ruhrgebiet. Gegenwärtig ist sie außerdem Geschäftsführendes Vorstandsmitglied von pro Ruhrgebiet e. V. (VpR), Vorstand der Business Angels Agentur Ruhr e. V. (BAAR) und Geschäftsführerin der Startbahn Ruhr GmbH.

 

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