Meyer-Galow, Erhard (2020): Business Ethik 3.0. Die neue integrale Ethik aus der Sicht eines CEOs. Berlin; Springer Gabler.

 

Über die Komplexität unserer Welt brauchen wir nicht mehr diskutieren. Eine überwältigende, exponentielle Vielfalt – aber gleichzeitig auch Verwirrung – ist Tatsache und in ihren Auswirkungen nicht absehbar. Das Buch Business Ethik 3.0 ist einerseits eine Abrechnung mit dem Dogma “Kapital kennt keine Ethik” und gleichzeitig eine Weiterführung des Satzes: “Moral und Ethik erstehen und entstehen aus innerem Wachstum”.

Man kann die derzeitige Pandemie und ihre Auswirkung nicht ausloten und somit stellt sie für das Individuum eine unabsehbare Bedrohung dar. Jung sagte: “Gelingt die Übersetzung des Unbewußten in eine mitteilbare Sprache, so entsteht eine erlösende Wirkung.” (Gesammelte Werke Band 8, § 595). Das bedeutet, dass eine gelungene Übersetzung psychischer Zusammenhänge und Inhalte eine Heilkraft gegenüber der zersetzenden Wirkungen falscher Suggestionen und Zwänge uns ‘imun’ machen gegenüber den psychischen Gefahren. Intuition und Innovation sind das Antidot gegen die Gefahren aus dem inneren Bereich der psychischen Ansteckungen, in welchen sich die jahrzehntelange Unterschätzung und Abwertung des Psychischen auswirkt. Wir müssen also mehr Angst vor den inneren Gefahren haben.

Ist der Einzelne dagegen aber durch bereits erfolgtes inneres Wachstum gestärkt, so ist genau das der beste “Impfstoff”. Genau hier setzt Prof. Erhard Meyer-Galow an führt uns vor Augen, was die Zerstörung der Ethik an Folgen und Auswirkungen haben kann. Ein Gegensteuern kann nicht mehr erfolgen durch Aktivismus im Äusseren. C.G. Jung hat im letzten Jahrhundert darauf hingewiesen: “Klein und verborgen ist die Pforte, die sich ins Innere öffnet, unzählig sind die Vorurteile, Voraussetzungen, Meinungen und Ängste, welche den Zugang verwehren. Man will von großen politischen und Wirtschaftsprogrammen hören, ausgerechnet von jenen Dingen, welche die Völker stets in den Sumpf hineingeführt  haben.” (Gesammelte Werke Band 10, § 328)

Ich bin dankbar dafür, dass das neue Buch von Prof. Erhard Meyer-Galow jetzt mit den Ergänzungen im Vorwort auf die Corona-Pandemie eingeht und auf die “Initiationswehen” des kommenden Zeitalters hinweist. Damit wird seine Botschaft noch eindrücklicher und dringender. Das Buch öffnet neue Pfade, so wie es im letzten Satz des Vorwortes lautet: “Die Türen gehen nach innen auf”.

 

Der Rezensent

Henning Weyerstraß

geb. 18.09.1954 in Dortmund hat nach nach Abitur und Wehrdienst ein Studium der Kunst und Religion für Lehramt abgeschlossen. Danach war er 15 Jahre in Vertriebstätigkeit bei Apple Computer und von 2001 bis 2008 Netzwerkadministrator der WAS Werbeagentur in Köln. Seit 2010 ist er Sonderpädagoge mit dem Schwerpunkt Autisten und ADHS im Intensiv-Bereich einer E/ES-Schule in Hilden bei Düsseldorf. Weyerstraß ist Mitglied im Vorstand der Kölner C.G. Jung-Gesellschaft und Mitgründer der www.cgjung.com. Er verantwortet den Aufbau verschiedener Netzwerke innerhalb der Analytischen Psychologie, seit 2009 hält er Vorträge, Workshops und Seminare zum Roten Buch von C.G. Jung.

henning@weyerstrass.net

 

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