Schriftliches Grußwort von BM Dr. Gerd Müller
Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Unternehmensverantwortung neu denken –
worauf es bei Compliance und Nachhaltigkeit wirklich ankommt

Kongress der GIZ, des deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik und der International Chamber of
Commerce am 27. September 2019 in Eschborn

 

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses,

die Globalisierung hat den Lebensstandard für hunderte Millionen Menschen weltweit enorm verändert. Weltweit sind inzwischen über 450 Millionen Menschen in globalen Lieferketten eingebunden. Aber oft hat diese Einbindung einen hohen Preis für Mensch und Umwelt. Viele unserer Kleidungsstücke etwa werden unter Arbeitsbedingungen geschneidert, die wir hierzulande schon längst nicht mehr dulden, und die Produktion vor Ort hat enorme ökologische und gesundheitliche Folgen. Ähnliches gilt für den Abbau von wichtigen Ressourcen wie Kobalt oder Coltan, für die Produktion von elektronischen Geräten, den Anbau von Südfrüchten, Kaffee oder Tee.

Auch deutsche Unternehmen profitieren von der Einbindung in globale Lieferketten. Damit wächst zugleich ihre Verantwortung für die Einhaltung von Menschen- und Arbeitnehmerrechten entlang dieser Lieferketten. Die nötigen Standards sind verabredet, etwa in den „Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“ der Vereinten Nationen, national umgesetzt durch den gleichnamigen „Nationalen Aktionsplan“. Doch wir wissen: Die Realität sieht oft noch anders aus. Lieferketten sind komplex, eine Kultur der Verantwortung noch nicht überall etabliert. Aufgabe von Politik, vor allem aber auch der Unternehmen ist es, die formulierten Sorgfaltspflichten durch verantwortungsvolles Handeln auch tatsächlich einzulösen. Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem!

Vor kurzem hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung deshalb einen Schritt zur konkreten Umsetzung getan: Am 9. September haben wir in Berlin den „Grünen Knopf“ vorgestellt. Wir zeigen am Beispiel der Textil-Industrie: So kann man sich auf den Weg machen, wenn man faire Produktion sichtbar machen will. Unser Ziel: Schutz von Mensch und Umwelt in der gesamten Textil-Lieferkette.

Weitere Wirtschaftszweige müssen folgen. Daher planen wir, das Thema nachhaltige Lieferketten zu einem von drei Schwerpunkten in der kommenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu machen. Und wenn wir im Rahmen der Überprüfung des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte feststellen, dass Freiwilligkeit nicht ausreicht, werden wir national gesetzlich tätig und uns für eine EU-weite Regelung einsetzen – so haben wir es im Koalitionsvertrag vereinbart. Immer mehr Unternehmen sind offen dafür. Denn letztlich müssen für alle die gleichen Spielregeln gelten, damit es kein Wettbewerbsnachteil mehr ist, unternehmerische Verantwortung umfassend wahrzunehmen.

Unternehmensverantwortung neu denken – dabei wünsche ich Ihnen viel Erfolg!

 

Weitere Informationen zur Veranstaltung:

 

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