Eine globale Pandemie stellt Unternehmen sowie die Gesamtwirtschaft momentan vor ungeahnte Herausforderungen und erschwert sowohl das Tagesgeschäft als auch eine strategische Planung. Uns interessiert dabei die folgende Fragestellung: Wie verändert sich in diesen Zeiten der Unsicherheit die Bedeutung von Verantwortung und CSR in Unternehmen? Zu diesem Thema haben wir “5 Fragen an…” Prof. Dr. Katharina Kilian-Yasin.

 

(1) Was machen Sie zurzeit beruflich? Welche Themen, mit denen Sie sich beschäftigen, sehen Sie besonders von der Pandemie betroffen?

Katharina Kilian-Yasin: Ich bin Professorin für International Business for Engineers im Wirtschaftsingenieurwesen und Ethikbeauftragte der Hochschule Pforzheim. An der Hochschule sind die Studierenden sehr durch die pandemiebedingten Einschränkungen betroffen, indem sie die letzten drei Semester fast ausschließlich online studieren konnten. In Lehre und Forschung beschäftige ich mich unter anderem mit internationalen Lieferketten, die durch die Pandemie vielen Risiken ausgesetzt sind.

 

(2) Wie änderte sich in den Zeiten der Pandemie, Ihrer Einschätzung nach, die Bedeutung von Unternehmensverantwortung und CSR?

Katharina Kilian-Yasin: Die angespannte Situation der Pandemie hat noch einmal deutlich gemacht, dass Unternehmen mit einer umfassenden und gelebten CSR-Strategie stabiler aufgestellt sind und ihre Risiken besser kennen und in den Griff bekommen als Unternehmen, die weniger nachhaltig wirtschaften.

 

(3) Wie hat die Pandemie aus Ihrer Sicht zu einer Verschiebung der gesellschaftlichen Priorisierung von Nachhaltigkeitsthemen beigetragen?

Katharina Kilian-Yasin: Die Verschiebung von Prioritäten hängt verständlicherweise davon ab, wie sehr man selbst von den wirtschaftlichen Rückschlägen in der Pandemie betroffen ist. In postindustriellen Wohlstandsmilieus hat auf jeden Fall ein Nachdenken darüber eingesetzt, ob materieller Überfluss, häufige Flugreisen zu Billigpreisen und schier grenzenloser Konsum wirklich das hauptsächlich Wesentliche für ein gutes Leben sind. Wenn der wohlhabendere Teil der Menschheit umdenkt und handelt, ist das ein wichtiger Schritt.

 

(4) Weiter geht es mit einer Grundsatzfrage: Denken Sie, dass die Corona-Krise einen Anstoß zur Diskussion einer grundsätzlichen Neukonzeption der Art, wie wir zukünftig wirtschaften möchten, darstellt?

Katharina Kilian-Yasin: Es kommen zur Pandemieerfahrung ja auch noch gar nicht so lange zurückliegende Finanzkrisen, der Klimawandel und ganz aktuell noch die Flutkatastrophe in Deutschland hinzu – wenn das jetzt kein Anstoß wäre, krisenfester, klimagerechter, ressourcenschonender, global solidarischer, empathischer und demütiger zu wirtschaften, müsste man am Verstand der Menschheit zweifeln! Es ist zur Zeit wahrzunehmen, wie auf der politischen Ebene, in der Gesellschaft und in Unternehmen Weichen umgestellt werden. Es geht in die richtige Richtung, aber es braucht noch mehr Entschlossenheit.

 

(5) Stichwort “The New Normal”: Welche aus der Pandemie entstandenen Potentiale sollten künftig beibehalten werden und was wünschen Sie sich aus der Zeit vor der Krise zurück?

Katharina Kilian-Yasin: Potenziale aus der Pandemie, die man beibehalten sollte, sind die Kreativität, die Problemlösungsfähigkeit und die Resilienz, die viele Menschen aktivieren konnten. Es ist auch ein großer Gewinn, dass wir viele Berührungsängste gegenüber der Digitalisierung überwunden haben und deren Möglichkeiten endlich intensiver nutzen. Ich wünsche mir unbeschwerte menschliche Begegnungen und, an der Hochschule, die intensive Interaktion vor Ort mit Studierenden und Kolleginnen und Kollegen zurück, wobei ich all das in der Zukunft wahrscheinlich noch bewusster wertschätzen werde als vor der Pandemie.

 

Unternehmensverantwortung und CSR in der Krise – 5 Fragen an… ist eine Interviewreihe zum Thema Wirtschaftsethik in Krisenzeiten. Sie zeichnet sich besonders durch die Pluralität unserer Expert_innen aus. Die gesamte Reihe veröffentlichen wir fortlaufend im Dossier.

 

 

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