Eine globale Pandemie stellt Unternehmen sowie die Gesamtwirtschaft momentan vor ungeahnte Herausforderungen und erschwert sowohl das Tagesgeschäft als auch eine strategische Planung. Uns interessiert dabei die folgende Fragestellung: Wie verändert sich in diesen Zeiten der Unsicherheit die Bedeutung von Verantwortung und CSR in Unternehmen? Zu diesem Thema haben wir “5 Fragen an…” Saskia Anna Rotterdam.

 

(1) Was machen Sie zurzeit beruflich? Welche Themen, mit denen Sie sich beschäftigen, sehen Sie besonders von der Pandemie betroffen?

Saskia Anna Rotterdam: Ich bin als freiberufliche Compliance Beraterin tätig und spezialisiert auf Mittelstandsunternehmen, gemeinnützige Gesellschaften und Stiftungen.

Neben der Implementierung eines maßgeschneiderten Compliance Managements inklusive der dazugehörigen Schulungen der Mitarbeiter und Führungskräfte, werde ich auch in Unternehmen gerufen, wenn das bestehende Compliance Management angepasst und verbessert werden soll.

Neben der Tätigkeit als Beraterin gebe ich Vorlesungen an der DIPLOMA-Hochschule zum Compliance Management und setze mit der IHK Akademie Zertifikatslehrgänge im Compliance Management um. Die Pandemie hat leider dazu geführt, dass manche Unternehmen das “schnelle Geld” gesehen haben und mangels Erfahrung mit Pandemien und den damit verbundenen notwendigen Regularien und Kontrollen, hier leider auch ein als grenzwertig zu betrachtendes Agieren dieser Firmen vorgekommen ist.

Ein Thema, dass man meines Erachtens dringend nachbearbeitet werden sollte, um für die Zukunft daraus zu lernen.

 

(2) Wie änderte sich in den Zeiten der Pandemie, Ihrer Einschätzung nach, die Bedeutung von Unternehmensverantwortung und CSR?

Saskia Anna Rotterdam: Unternehmensverantwortung und CSR in Zeiten einer Pandemie: Covid19 hat in einigen Unternehmen einen Lernprozess ausgelöst – zum Einen um sich und die Mitarbeiter zu schützen und zum Anderen, weil der gesetzliche Druck aufgrund der Verordnungen größer war, als zu Zeiten ohne Pandemie.

Langfristig sehe ich die Auswirkung der Pandemie auf die CSR als sehr positiv. Man merkt, dass ein Umdenken stattgefunden hat und Unternehmen es als Chance sehen, ihre durch die Pandemie begonnene CSR langfristig umzusetzen und in die Strategien und Prozesse zu integrieren. Hinzu kommt, dass das neue Lieferkettengesetz Unternehmen dazu verpflichtet, sich mehr mit ihrer Unternehmensverantwortung zu beschäftigen.

CSR ist in vielen Unternehmen als wichtiges Element erkannt geworden, um die Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmensreputation zu verbessern.

 

(3) Wie hat die Pandemie aus Ihrer Sicht zu einer Verschiebung der gesellschaftlichen Priorisierung von Nachhaltigkeitsthemen beigetragen?

Saskia Anna Rotterdam: Die Pandemie hat meines Erachtens ein Umdenken ausgelöst und auch den ein oder anderen “Trend” gesetzt. Nehmen wir zum Beispiel die seit vielen Jahren diskutierte Digitalisierung. Von einem Tag auf den anderen, waren eine Vielzahl an Unternehmen gezwungen, Ihre Mitarbeiter ins Home Office zu schicken und über Monate hinweg alles über Videokonferenzen und andere Online-Tools laufen zu lassen. Eine Situation, von der viele Unternehmen vorher immer gesagt haben, dass das nicht möglich wäre. Die – meiner Meinung nach, positive – Nachwirkung: es gibt auch weiterhin in vielen Unternehmen die Möglichkeit überwiegend oder ganz im Home Office zu arbeiten. Was nicht nur zu einer besseren Work-Life-Balance führt, sondern auch einen positiven Effekt auf die Umwelt hat… warum? Nun, zum Beispiel alleine dadurch, dass die Mitarbeiter/innen nicht mehr täglich mit dem PKW zur Arbeit fahren müssen oder weil viele Flugreisen auch jetzt noch wegfallen, da man gelernt hat, dass viele Meetings und Konferenzen durchaus auch Online durchzuführen sind.

Auch in Bezug auf die Ernährung hat bei dem Ein oder Anderen ein Umdenken stattgefunden. Man war mehr zu Hause und hatte dadurch mehr Zeit und auch Lust zu kochen. Frisch und selber gekocht, statt Fertigprodukte – und das oftmals auch mit mehr regionalen oder Bio-Produkten.

 

(4) Weiter geht es mit einer Grundsatzfrage: Denken Sie, dass die Corona-Krise einen Anstoß zur Diskussion einer grundsätzlichen Neukonzeption der Art, wie wir zukünftig wirtschaften möchten, darstellt?

Saskia Anna Rotterdam: Ich habe kürzlich in einem Artikel gelesen, dass die Pandemie und das damit verbundene Umdenken als “Point of no return” angesehen werden kann.

Gewinnmaximierung und Konsum um jeden Preis, ist ein Konzept, dass sich mit der Pandemie überholt hat. Die Pandemie und die damit verbundenen Auswirkungen wie Verzicht, weniger Konsum, weniger soziale Kontakte über Monate hinweg, hat jeden von uns geprägt.

Ich überlege mir auch mittlerweile, ob es dieses oder jenes neue Kleidungsstück wirklich unbedingt sein muss… oder ob man wirklich in der Haupterntezeit in Deutschland, sich Birnen aus Südafrika kaufen muss.

Die Corona-Krise hat den letzten “Schubs” gegeben, um sich intensiv, ehrlich und vor allem langfristig mit dem nachhaltigem Wirtschaften und der CSR zu beschäftigen.

 

(5) Stichwort “The New Normal”: Welche aus der Pandemie entstandenen Potentiale sollten künftig beibehalten werden und was wünschen Sie sich aus der Zeit vor der Krise zurück?

Saskia Anna Rotterdam: Ich wünsche mir einen unbeschwerten Umgang miteinander zurück – mit dem Bewusstsein, dass uns COVID immer begleiten wird.

Beibehalten sollte man die Möglichkeit flexibel im Home Office oder im Unternehmen zu arbeiten (natürlich nur bei Berufen, in denen das geht) und der Gedanke des nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgangs mit unserer Umwelt und den Ressourcen. Ich denke oft darüber nach, in welchem starken Maße die Pandemie uns vor Augen geführt hat, wie wertvoll unsere Lebenszeit und die der uns nahestehenden Menschen ist. Auch wenn die Pandemie für viele von uns einige Schrecken und traurige Erlebnisse gebracht hat, so sehe ich es auch als Zeit des Umdenkens und auch ein wenig als Chance für sich und die Allgemeinheit positive Veränderungen zu schaffen.

 

Unternehmensverantwortung und CSR in der Krise – 5 Fragen an… ist eine Interviewreihe zum Thema Wirtschaftsethik in Krisenzeiten. Sie zeichnet sich besonders durch die Pluralität unserer Expert_innen aus. Die gesamte Reihe veröffentlichen wir fortlaufend im Dossier.

 

 

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