Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise und den Herausforderungen einer auch global ökologisch und sozial nachhaltigen Entwicklung werden derzeit die Rollen der Finanzdienstleister, die Funktion des Kapitalmarkts wie auch die Aufgaben der Geldpolitik und der Regulierung der Finanzmärkte neu diskutiert. Der in diesem Zusammenhang von der EU-Kommission im März diesen Jahres vorgelegte Aktionsplan für ein nachhaltigeres Finanzsystem hat in dieser Diskussion bereits hohe Wellen geschlagen.

Die EU beabsichtigt mit dem Aktionsplan vor allem drei Ziele. Zum einen, die Neuausrichtung der Kapitalströme auf nachhaltige Investitionen, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu erreichen, ein besseres Management von Risiken, die sich aus dem Klimawandel, Naturkatastrophen, Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben und letztlich die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit im Finanz- und Wirtschaftsleben.

Mit Blick auf die diesjährige Jahrestagung des DNWE am 28./29.Juni in Frankfurt unter dem Titel „Kapital-Ethik-Nachhaltigkeit: Welche Kompetenzen braucht die Praxis“ sprachen wir mit DNWE-Mitglied Prof. Dr. Harald Bolsinger von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt über die aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten vor dem Hintergrund des EU-Aktionsplanes. Bolsinger sieht hier nichts weniger als einen Paradigmenwechsel für die Finanzmärkte: „Die Existenz der SDG belegen eindrücklich, dass unsere globale Ordnung nichts weniger als einen vollständigen Paradigmenwechsel vollzieht. Ein Paradigmenwechsel, der die isolierte Betrachtung finanzieller Größen zukünftig nicht mehr zulassen wird. Ein Indikator für die langfristig umwälzenden Veränderungen sind die zahllosen Initiativen auf politischer Ebene, aber auch aus der Privatwirtschaft. Und nicht zuletzt auch der Initiativbericht zum nachhaltigen Finanzwesen des Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments.“

Mit dem Bericht setze Europa Standards und entwickle damit auch das Potenzial, sich zu einem Leitmarkt für nachhaltige Finanzanlagen zu entwickeln. Der EU-Aktionsplan zeige damit klar Zeichen der Zeit auf, dass es politischer Wille auch in Europa sei, nachhaltiges Investment mit einem wettbewerbsförderlichen Rahmen zu versehen, so Bolsinger weiter. „Ich bin gespannt wie weit die Europäische Kommission mit einem Gesetzgebungsvorschlag geht, um das zu realisieren.“

Nicht weit genug geht Bolsinger jedoch die Diskussion bei der Rolle der Zentralbanken, die eine ganz wesentliche Rolle für die Förderung nachhaltiger Investments spielen könnten. „Erste Samenkörner für diese Veränderungen sind in Europa bereits gepflanzt, aber seit 18 Jahren hat noch nie jemand danach gefragt, wie die EZB die Einhaltung unserer Grundrechtscharta sicherstellt, wenn Sie beispielsweise Anleihen als Sicherheiten akzeptiert, die möglicherweise aus ESG-Sicht fragwürdig sind“, so der Experte.

Hier läge der entscheidende Knackpunkt, denn sobald die Zentralbank diese Wertpapiere als Sicherheit akzeptiert, würde sie Besitzer der Wertpapiere. Die EZB dürfe aber keine Wertpapiere ankaufen oder besitzen, die den Regeln der EU-Grundrechtscharta widersprechen, denn damit fördere Sie die Verletzung der Grundrechtscharta bzw. wäre mitverantwortlich für diese Verletzungen, so Bolsinger.

Das komplette Interview:

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Weitere Informationen zum Thema:

http://www.wirtschaftsethik.biz/publikationen/ezb-perestroika-in-kapitalistan-23042018/

http://www.wirtschaftsethik.biz/publikationen/ezb-eu-grundrechtscharta-18042018/

http://www.wirtschaftsethik.biz/publikationen/heisses-eisen-ezb-und-eu-grundrechtscharta-14042018/

 

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