Was weiß man über die eigene Kleidung? Wo sie herkommt, kann man dem eingenähten Label gerade noch entnehmen. Aber wie wurde das Kleidungsstück produziert? Von wem, unter welchen Bedingungen, mit welchen Standards des Umweltschutzes? Diese Informationen zu erhalten ist schon schwieriger, wenn nicht gar unmöglich. Wie eine vollkommene Transparenz in der textilen Kette mittels digitaler Technologien hergestellt werden kann, war Thema des Workshops „Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie: Smarte Technologien machen dies schon morgen möglich“ am 20. September 2018 an der Universität Vechta.

Prof. Dr. Nick Lin-Hi (Wirtschaft und Ethik) lud im Rahmen der Reihe „smart life – smart work“ zum Austausch zwischen Expert_innen der Branche und der interessierten Öffentlichkeit. Rund 30 Gäste folgten der Einladung und diskutierten einen Nachmittag lang ihre Vorstellungen des perfekten, nachhaltigen und transparenten Kleidungsstücks. Die Ergebnisse des Workshops wurden von der Graphic Recorderin Tina Nispel visuell festgehalten.

 

Tina Nispel;
Bildquelle: Universität Vechta

Zu Beginn des Workshops stellte der Wirtschaftsethiker Lin-Hi seine Forschungen im Bereich textile Lieferketten vor. So arbeitet er seit 2013 mit der Firma KTC Limited zusammen, die in China produziert. Angelika Stiebler, verantwortlich für die Kommunikation von KTC in Deutschland, zeigte auf, welche Artikel in Premium- und Luxussektor KTC produziert und wie das Unternehmen sich zu einem Branchenvorreiter in Bezug auf Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility entwickelt hat.

Anschließend waren die Teilnehmer_innen des Workshops – eine bunte Mischung aus Fachleuten, Praktiker_innen und interessierten Bürger_innen – eingeladen, mitzureden: Moderiert von Melanie Philip und Ann-Kathrin Vaske (VITA Akademie GmbH) wurde zunächst im Plenum bestimmt, welche Aspekte die ideale, nachhaltige Jacke von morgen auszeichnet. Wichtigste Merkmale, so die Teilnehmer_innen, seien für sie Qualität und Langlebigkeit, gute Arbeitsbedingungen und Umweltfreundlichkeit der Produktion. Außerdem wünschte man sich eine Selbstverständlichkeit dieser Faktoren.

Carola Kreddig aus der Abteilung Corporate Social Responsibility und Qualitätsentwicklung der Ulla Popken GmbH wollte neue Perspektiven und Ansätze kennenlernen, wie textile Lieferketten umgestaltet werden können. Dies habe der Workshop erfüllt. Ralf Böckmann von der Sport Böckmann GmbH zeigte sich aber kritisch, was die Umsetzung des idealen nachhaltigen Textils angeht, seien doch die Zusatzkosten der nachhaltigen Produktion im Produktpreis spürbar: „Es wird am Geldbeutel der Konsumenten scheitern, fürchte ich.“

Wirtschaftsethiker Nick Lin-Hi sieht trotzdem positiv in die Zukunft und will seine Vision einer nachhaltigen textilen Lieferkette für die globale Produktion nicht aufgeben: „Neue Technologien ermöglichen ganz neue Ansätze für Nachhaltigkeit in Lieferketten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich durch die Verknüpfung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit auch gutes Geld verdienen lässt. Hierfür bedarf es nur etwas Mut und die Bereitschaft, neue Wege einzuschlagen.“

Veranstaltungsreihe „smart life – smart work“

„Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie“ ist Teil der Veranstaltungsreihe „smart life – smart work“ der Universität Vechta zur Digitalisierung im Ländlichen Raum. Sie steht unter der Schirmherrschaft des niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler.

Die nächste Veranstaltung aus der Reihe trägt den Titel „Digital Innovations in Local and Regional Government“ und findet statt am Mittwoch, 14. November 2018.

Weitere Informationen: www.uni-vechta.de/digitalisierung

 

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